Col du Lautaret [Frankreich]

Ich schüttle den Kopf. Und nochmal und nochmal. Es ist meine aufgestaute Empörung, die sich nur in diesem kleinen Kopfschütteln zeigt. Immer wieder. Und in einem Park4Night Kommentar. Ich glaube, dass ich bisher keine 1-Sterne Bewertungen für Parkplätze abgegeben habe, aber heute musste ich. Ich habe nicht den Parkplatz bewertet, sondern die Menschen. Wie so oft. Denn als wir in den National Park Ecrins fuhren, hoch hinauf über den Col du Galibier – die Straßen vollgeschrieben mit Namen der Radfahrer der Tour de France – begann das Kopfschütteln. In Frankreich ist es verboten auf Wiesen zu stehen, vor allem in Natuschutzgebieten. Hier standen sie an jeder Ecke auf den Wiesen.

Auf dem Col du Lautaret Parkplatz parkten etliche Wohnmobile. Respektlos weit auseinander. Und dann packten sie ihre Möbel aus, ließen die Kinder auf den Wiesen toben und Flugzeuge fliegen. Die Flugzeuge flogen, weil es stürmte, natürlich immer wieder gegen fremde Wohnmobile. Menschen liefen über die Wiesen, die Hügel hinauf, mit Hunden. Sie fuhren sogar mit dem Fahrrad hinauf. Das Schild, das Hunde verboten anzeigte, wurde ignoriert. Dass man nur auf den ausgeschriebenen Wegen bleiben sollte, interessierte hier offenbar keinen. Ich fühlte mich leicht an die Drei Zinnen in den Dolomiten zurückerinnert.

In den Ecrins zu fahren, hatte irgendwie was wildes. Schroff zeigte sich hier die Landschaft. Anders schön als im Vanoise. Die französischen Alpen hatten es mir spätestens jetzt angetan. Weil wir mittlweile recht schwere Beine vom täglichen Wandern hatten, gab es nur eine kleine Wanderung (11 km, 220 Hm) zu einem Aussichtspunkt in die Berge. Vorbei am Glacier l’Homme. Dieser wird, laut Anzeigetafel, voraussichtlich bis 2100 komplett verschwunden sein.

Der Weg führte, trotz fehlender Höhenmeter, durch recht anspruchsvolles Gelände. Schmale Pfade, die als gefährlich gekennzeichnet waren. Hinzu kam wohl die Steinschlaggefahr. Oben auf der kleinen Hochebene gab es dann eine Snackpause. Und während wir da so saßen, kamen doch tatsächlich alle kleinen Murmelis aus den Verstecken. So zutrauliche und nahe Murmeltiere hatte ich selten gesehen.

Murmeltiere können bis zu 15 Jahre alt werden. Allerdings leiden auch sie unter dem Klimawandel. Im Durschnitt scheinen sie schon gut 86 Meter in höhere Gebiete umgezogen zu sein. Da sie bei über 25 Grad schnell in Hitzestress geraten, verbringen sie die Mittagsstunden häufig stundenlang im Bau. Dadurch fressen sie sich weniger Fettreserven für den Winter an. Dies kann dazu führen, dass sie dann im Winter verhungern. Viel höher können sie nicht mehr „ziehen“, da irgendwann das geeignete Landschaftshabitat fehlt. Wie lang wir die Murmeltiere wohl noch in den Bergen haben werden?

2 replies to “Col du Lautaret [Frankreich]”

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