Das schmalblättrige Weidenröschen. Habe ich gelernt zu erkennen. Die hohe, lila Pflanze wird mir nicht mehr so schnell entgehen. Ich spaziere die Ebene entlang. Keine Kamera dabei, nur das Handy. Kein Fernglas dabei. Aber die versprochene Steinbockbegegnung bleibt sowieso aus. Nach der Ebene kommt der Anstieg. Irgenwann geht es immer bergauf.



Während ich Schritt für Schritt zum Gletscher hinauf laufe, dem einzigen Weg folgend, den es hier gibt, begegne ich den Murmeltieren. Kleine und große. Weniger scheu und manchmal auch ganz zutraulich. Sie beschäftigen mich bis hoch in die Berge. Doch irgendwann ist es zu hoch für sie. Oder es gibt zu wenig Essen.



Auf beinahe Höhe des Gletschers stelle ich fest, dass die Berge unter dem Klimawandel leiden. Nicht, dass mir das bisher nicht klar war. Aber der Gletscher sieht irgendwie winzig aus. Die letzten Meter zum Col hinauf, zum Mittagessen, sind arg steil und ich frage mich jetzt schon, wie ich wieder hinunter kommen soll. Da ich ja nun offiziell alt bin, habe ich natürlich meine Wanderstöcke dabei. Sie werden mir helfen.



Auf dem Gipfel haben wir ca. 15 Minuten ganz für uns alleine. Aussicht genießen und nach Italien rüber schauen. Der Grand Paradiso National Park liegt uns direkt zu Füßen. Hinter uns kommen die anderen Menschen den Berg hinauf. Außer Puste, rot im Gesicht. Aber glücklich sehen sie aus.
Ich liebe das Weidenröschen.
Der Gletscherschwund ist extrem und so schnell. Und ob die Murmel bleiben? Sie kommen mit der Wärme nicht klar.
Alles ändert sich.
Ach, man ist nicht alt sondern höchstens älter
Liebe Grüße
Nina
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Witzig, ich hab gestern noch andere Beiträge als Entwürfe verfasst und genau das zu den Murmeltieren geschrieben. Ich bin wirklich gespannt, ob sie es schaffen.
Und den Satz mit dem Älterwerden find ich super.
Liebe Grüße
Ines
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