Wiegensee [Silvretta, Österreich]

Ich hatte mir einen Wecker um 6:30 Uhr gestellt. In der Hoffnung früh los zu können und einige gute Fotos zu machen. Als ich um 6 Uhr aus dem Busfenster sah, war alles voller Nebel. Keine guten Bedingungen alleine loszuziehen, keine guten Bedingungen für Fotos. Also schnappte ich mir erst viel später meinen gepackten Rucksack und lief los.

Unser Campingplatz war direkt am Zeinissee. Der Kleine Zeinissee lag ein Stückchen weiter oben. Da marschierte ich zuerst vorbei. Ich fluchte schon wieder, da es mal wieder bergan ging und zwei Tage mit 15 km und einigen Höhenmetern dann doch spürbar waren. Also schlenderte ich mehr, als das ich rannte. Aber das war okay. Ich hatte ja Zeit und eigentlich auch kein richtiges Ziel. Das Wetter bot sich nicht so recht für Fotos an, aber ich hörte und sah eine Menge Vögel. Vor allem die Heckenbraunellen liebten es hier. Eigentlich waren überall nur Heckenbraunellen.

Am Hang entdeckte ich dann eine Gams. Sie hatte mich ebenfalls entdeckt. Wir standen also beide ein bisschen herum und begutachteten uns aus der Ferne. Nachdem ich genug geschat hatte, machte auch sie sich wieder weiter auf ihrem Wege.

Nachdem ich bei der Alpe angekommen war, entschloss ich kurzer Hand mich auf den Pfad zum Naturschutzgebiet Wiegensee zu machen. Ein Hochmoor. Konnte ja nicht schaden. Der schmale Paf wurde sogar ein bisschen abenteuerlich, da ich wegen des vielen Regens einige Wasserfälle und Bachläufe zu überqueren hatte. Ich war recht dankbar um meine Wanderstöcke – lange hatte ich mich davor gedrückt mir welche zu kaufen. Ich fühlte mich ja noch nicht alt. Aber jetzt bin ich es wohl offiziell und damit kann ich mir auch Stöcke zulegen.

Auf dem Weg zum Moor begegnete ich noch einem kleinen Freund: Dem Alpensalamander. Meine Freude war groß. Gibt es diese kleinen, sehr neugierigen Salamander nicht mehr so häufig, so habe ich in kurzer Zeit schon den zweiten gesichtet. Im Montafon, nicht weit von der Silvretta entfernt, habe ich ebenfalls schon einige Alpensalamander getroffen. Heute war aber nur der kleine Zwerg unterwegs. Und er begutachtete mich genau so neugierig, wie ich ihn. Er drehte sich sogar extra noch ein wenig, um besser zu posieren. Wie witzig die kleinen laufen!

Dann kam ich im Hochmoor an. Das erste was ich sah, war eventuell ein Steinadler. Ich hatte leider meine Stöcke und nicht mein Fernglas in der Hand und daher sah ich nur einen sehr großen Vogel mit „Fingern“ an den Flügelenden über mich hinwegfliegen. Im Moor fand ich dann eher weniger Vögel – außer die Heckenbraunelle. Die trillerte munter an allen Stellen vor sich hin.

Nach einer kleinen Rast machte ich mich auf den Rückweg. Hier nahm ich mir mehr Zeit für die Pflanzen, anstatt für die Vögel. Alpen-Kuhschelle, Enzian, männliches Knabenkraut, gestutztes Läusekraut und und und. Die App verriet mir einiges, anderes kannte ich schon selbst sehr gut.

Mein absolutes Highlight allerdings war kurz vor Ender der Tour. Plötzlich hörte ich ein seltsames Geräusch. Eindeutig ein Vogel. Ich blieb stehen, packte das Fernglas aus, suchte und suchte. Ich warf die App an: Sie sagte mir, es sei eine Ringeltaube. Nie im Leben! Ich suchte weiter, hörte den Vogel lauter werden. Er musste sich irgendwo in diesen Geflecht aus Pflanzen verstecken. Ich nahm den Vogel auf. War mir mittlerweile sicher, was es wahr und hörte mir dann am Campingplatz noch einmal auf Youtube den Ruf an. Oder eher das balzende Geräusch des Birkhahns. Irgendwo zwischen all dem Grün musste er gewesen sein. Versteckt für mein Auge.

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