Zwanzigzweiundzwanzig

Immer wieder im Dezember wird auf das hinter uns liegende Jahr zurückgeschaut. Es wird analysiert, geprüft, bewertet. Am Ende fallen dann Sätze wie „wow, das ging ja wieder schnell rum!“ oder „2022 war nicht meins“. Zum Glück entscheidet das jede/r selber, sowohl das Zeitempfinden, als auch die Beliebtheit. Natürlich habe auch ich auf das Jahr zurück geschaut und mich ganz klar an meinen Gedanken im Januar 2022 zurückerinnert: Das wird mein Jahr. Diese Überzeugung hat von Januar, den 01. bis zum April, den 07., ziemlich abgenommen. Wenn ich also eines dieses Jahr bewiesen habe, dann war es Durchhaltevermögen. Wenn ich eines dieses Jahr gelernt habe, dann war es Psychotherapie, dass ich mir vertrauen kann und sollte.

Januar

Der Januar, für viele der unbeliebteste Monat, präsentierte sich mit Frost, ein wenig Sonne und täglichen Spaziergängen. Außerdem mit unzähligen Lernmaterialien und einem vollen Schreibtisch, auf dem sich die Prüfungsvorbereitungsbücher stapelten. Es gab keinen Urlaub. Es gab keine Auszeit. Es gab nur mich und alles, was in meinen Kopf hinein musste.

Februar

Aber man kann nicht immer nur am Schreibtisch sitzen und Nackenschmerzen von immer der gleichen Pose bekommen. Hängende Schultern und das jede Woche tiefer. Als kleine Auszeit ging die erste Fahrt des Jahres mit unserem Bus in den Vogelsberg, Hessen. Nur um dort festzufrieren, mit dem Bus liegen zu bleiben und vor allem um Schnee und Sonne zu genießen. Ein paar Tage später, nach weiteren unzähligen Büchern auf- und wieder zuschlagen, zeigte sich dann ganz langsam der Frühling. Mit den ersten Blümchen und Sonnenstrahlen folgten dann auch einige „Pausen-Spaziergänge“.

März

Es war so weit. Ganz plötzlich, wo man doch noch vor drei Monaten dachte, man habe noch ewig Zeit. Die Prüfung stand einfach vor der Tür. Ein Trip nach München, Verzweiflung und Ratlosigkeit und dann ein paar Tage Ruhe. Ein paar Tage wieder zur Besinnung kommen: Kerzen gießen mit der Familie und Bücher aufschlagen, die nichts mit Lernen zu tun hatten.

April

Anfang April hatte der Fluch ein Ende. Da war dann Frühling, in der Welt und in mir. Nach der mündlichen Prüfung dauerte es, meinen Körper endlich wieder auf Normaltemperatur herunterzufahren. Wahrzunehmen und glauben zu können, dass ich nicht mehr an den Schreibtisch musste. Das es nichts mehr zu lernen gab (gibt es immer!). Dann ging der Spaß und 2022 erst so richtig los: Ostern an der Nordsee, die Kirschblüte in Hessen, Besuch bei meinem besten Freund und Ernie fuhr auch wieder glücklich vor sich hin. Wir waren also beide wieder aufgetaut.

Mai

Nach einer großen Prüfung, nach einem großen Projekt, nach etwas wichtig Erreichtem, sollte man sich immer Zeit für sich nehmen. Sich etwas gönnen. Und das tat ich/taten wir: Der Bus wurde beladen, die Fähre war bereits gebucht und nach zwei Jahren des immer wieder Verschiebens, konnten wir endlich nach Schottland fahren. Wenn ich jetzt zurückdenke, fallen mir viele Beschreibungen für dieses Land ein: Windig, rau, kalt, windig, regnerisch und windig. Das Wetter ändert sich in Schottland so schnell, wie du diese Wörter hier gelesen hast. Trotzdem ist es eins der schönsten Länder, in denen ich bisher war. Vor allem die Natur, die abgelegenen Orte und so viele verschiedene Vögelarten haben es mir besonders angetan.

Juni

Wieder zurück Zuhause erlebten wir einen heißen, trockenen Sommer. Wanderungen, Rennradfahren und viele Male in den See gesprungen. Außerdem gab es noch eine Premiere: Meine Mama und ich waren zusammen für eine Nacht mit Ernie campen in Thüringen auf einem Ziegenhof. Weil die Aktivitäten nicht abreißen durften, schauten wir auch in Göttingen im Forum Wissen vorbei und wanderten in Hessen auf den Premiumwegen.

Juli

Ein Familienwochenende mit den Eltern meines Freundes, seinem Bruder und der Freundin seines Bruders im Harz wurde zu einem Wander-, Spiele- und leckerem Essenswochenende. Der Sommer hielt mit all seiner brüllenden Hitze an. Man rettete sich ins kühlere Nass oder machte eine Radtour am Abend durch die Felder voller Klatschmohn. Auch dem Bärenpark in Worbis statteten wir einen Besuch ab.

August

Die Sächsische Schweiz konnten meine Familie und ich nicht bereisen. Es wütete das Feuer, wochenlang. Unser geplanter Kurzurlaub wurde daher in die Fränkische Schweiz verschoben. Hauptsache Schweiz, haben wir uns wohl dabei gedacht. Es wäre sicher immer nett gewesen, egal wo, denn man hat ja die Liebsten dabei. Die restlichen kühlen Morgen und Abende des Augusts wurden für Bustouren genutzt oder um kleine Ausflüge zu machen.

September

Dann kam der Spätsommerurlaub und mit ihm ein Land, das von mir bisher nicht allzu viel Beachtung geschenkt bekommen hatte. Ein großer Fehler meinerseits, wie sich herausstellte. Unsere Reise führte uns über den Chiemsee nach Slowenien. Ein Land voller Berge und wunderschöner Natur. Es war wohl der erste Urlaub seit drei Jahren, den ich so richtig genießen konnte, ohne meine Ausbildung im Hinterkopf zu haben. Durch den Urlaub war der September recht kurz. Er reichte aber noch, um im Tierpark Sababurg das Event „Brunftzeit“ mitzumachen. Hierzu gab es keinen Eintrag, aber es soll dennoch hier erwähnt werden. Wie immer war das Röhren der Hirsche imposant, die anderen Tiere im Park ein Besuch wert und das Frühstück sehr lecker.

Oktober

Weil M nun in der ähnlich misslichen Lage war, wie ich in meiner Lernzeit (nur das er promoviert) und daher ein Zeitkontingent von 0 hatte, musste ich ab Anfang Oktober in den Selbstbeschäftigungsmodus gehen. Der führte mich nach Konstanz zu meinem Kumpel. Fünf Tage Bodensee und schon wieder Urlaub. Außerdem versuchte ich Daheim neblige Morgen zu nutzen, um meinen erschöpften Körper aus dem Bett zu locken.

November

Von Urlaub kann man nie genug bekommen, oder? Also düste ich vom Süden in den Norden und verbrachte im November eine wunderschöne Woche an der Ostsee in Laboe. Es war windig, kalt, sonnig. Die Abende wurden vor dem Kamin verbracht. Sonst hielt der November viel gemütliche Zeit Zuhause parat: Beim Spielen, Serie schauen oder Lesen.

Dezember

Der letzte Monat des Jahres ist immer wieder ein ganz besonderer. Es beginnt zu weihnachten, die Tage sind sehr grau und man hat viel zu tun. Man beginnt das neue Jahr zu planen und verabschiedet sich mit jedem Tag mehr vom noch laufenden. In diesem Dezember war ich kaum unterwegs. Viel mehr habe ich mich Zuhause eingerichtet: Gelesen, gelesen, gelesen, ab und zu gezeichnet, gezockt, gebastelt und gebacken. Wir waren allerdings auch in Quedlinburg, bei Freunden zum Spielen, auf einem Geburtstag und danach wie jeder wohl gerade: Krank.

Gestern habe ich den Kabarettist Florian Schroeder im Fernsehen gesehen. Er warf die Frage auf „ich mache Schluss mit …“. Ein simpler Satzergänzungstest für jedermann und jederfrau zum Jahresende. Also greife ich diesen Test doch einfach mal auf und frage in die Runde: „Ich mache Schluss mit…“. (Danke Florian!)

Um meinen Satz hier zu beenden und damit langsam in den gemütlichen Teil des Dezembers überzugehen (Plätzchen backen, Weihnachtsbesuche, ein paar Tage Besinnlichkeit, usw.) kopple ich das Ende „… den Alltagsnervereien“ an. Erst einmal übergangsweise, dann vielleicht auch ein bisschen länger – wer weiß, was die Planungen für 2023 sind. Ganz bald wird es dazu einen Eintrag geben. Nun wünsche ich euch aber erst einmal (hoffentlich) viel Freude bei eurem eigenen Jahresrückblick.

2 replies to “Zwanzigzweiundzwanzig

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