Abschied nehmen [Schottland & England]

Greenock Cut

Eine letzte Nacht in Schottland. Wir waren ohne Stop an Glasgow vorbeigefahren. Nach 14 Tagen ohne viele Menschen und oft nur für uns alleine, hatten wir die Großstadt gescheut. Südlich von Glasgow war es gar nicht mehr so einfach einen vernünftigen Stellplatz zu finden. Die App zeigte zwar einige Parkplätze an, aber so richtig nett schienen die nicht. Aber dann fand ich die versteckte Perle: Greenock Cut.

Wir parkten am Visitor Center, welches nicht mehr geöffnet hatte, akklimatisierten und etwas und machten uns dann noch auf den Weg für einen Abendspaziergang. Am Besucherzentrum waren mehrere Wege beschrieben. Wir beschlossen einen kurzen zu laufen und fanden einen wunderschönen Nature Trail.

Es war wunderbar ruhig hier. Weil der Abend langsam anklang, waren auch kaum noch Menschen unterwegs. Wir trafen eigentlich nur Rehe, Schafe, Vögel und Insekten. Der Weg führte über Schafwiesen und über Holzwege durch ein Tal. Ein kleines Stück begleitete uns der Fluss. Dann hatten wir wieder Blick auf das weite Land. Auf der Abwechslungsreich -Skala ganz weit oben.

Zurück am Bus gab es erst einmal Abendessen. Doch lange hielt es uns hier nicht. Das Wetter war zu gut. Die Beine eigentlich schon ganz schwer, mussten nun noch etwas länger durchhalten. Wir überquerten eine Schafweide und bestiegen den Hügel neben dem Parkplatz. Oben gab es einen richtigen Gipfel und einen richtigen Ausblick. Kein Mensch war hier unterwegs. Wir hatten all die Schönheit nur für uns.

Der Weg hinauf zum höchsten Punkt wurde dann aber auch noch ziemlich abenteuerlich. Da hatten wir ein einziges Mal unsere Gummistiefel im Bus gelassen und normale Turnschuhe an. Hatte ja auf den Wegen vorher auch geklappt. Hier funktionierte das gar nicht. Der „Weg“ war eine reine Matsch- und Sumpflandschaft. Zum Schluss stand das Wasser in meinen Schuhen.

Stellplatz am England Coast Path

Der quasi letzte Urlaubstag hatte begonnen. Plötzlich war die Zeit wieder gerast. Erst hatten sich die Tage lang angefühlt, man hatte noch so viel Zeit vor sich. Und dann war morgen schon wieder die Fährfahrt zurück in die Niederlande. Als wären wir gestern erst angekommen. Um ein bisschen Zeit zu sparen, legten wir also vom Greenock Cut Strecke zurück bis an die Ostküste Englands.

Auf einem ziemlich belebten Strandparkplatz hielten wir dann am späten Nachmittag an. Das Wetter war mal wieder etwas grummelig und erst gegen Abend zeigte es sich zufriedener. Ich wagte einen Blick auf den Strand und war direkt verliebt. Tosendes Meer, weiter Sandstrand und die hübschen Dünen. Einen kleinen Spaziergang am Meer konnte ich mir nicht nehmen lassen.

Zurück am Bus, mitten beim Abendessen kochen, passierte dann etwas seltsames. Erstmal wurde das Wetter besser – die Sonne kam raus. Dann sahen wir plötzlich einen relativ großen Vogel auf uns zu kommen. Wir hatten uns schon vorher gewundert, worauf die ganzen Fotografen am Straßenrand warteten. Nun wurde es uns klar: Auf die Eule.

Sie jagte bei uns neben dem Bus in den Dünen. Verspeiste sogar ihre Maus auf einem Zaunpfahl in unmittelbarer Nähe und ließ sich wenig beirren. Gute Fotos bekam ich dennoch keine. Trotzdem ein tolles Erlebnis. So konnte ich beruhigt und zufrieden in die letzte Nacht starten.

Ich hatte für den letzten Morgen auf schönes Wetter gehofft. England zeigte sich klischeehaft: Der Regen fiel stetig. Nachdem wir einiges im Bus gepackt und organisiert hatten, ließ der Regen etwas nach. Mit Regenhose und -jacke ging es dann noch einmal zum Vogelhide (M war am Abend schon dort gewesen und hatte einen Spoon Bill gesehen).

Meine Hoffnung war groß, dass ich ihn vielleicht auch zu Gesicht bekommen würde. Leider zeigte er sich nicht. Weder beim ersten Besuch im Hide, noch beim zweiten kurz vor Abfahrt. Aber der Weg dorthin war für mich schon so urig, dass ich ihn gerne zweimal lief.

Nun lagen noch ein paar Stunden vor uns, die wir hier an diesem hübschen Fleckchen verbringen durften. Natürlich war da noch ein Strandspaziergang drin. Kaum ein anderer Mensch war heute unterwegs. Das Wetter zauberte Nebel über die Dünen und die Ebbe ließ den Strand kunstvoll zurück.

Zu guter Letzt ließ ich den Strand aber Strand sein und widmete mich doch noch einmal den niedlichen kleinen Vögeln, die überall im Schilf, in den Wiesen und den Hecken zu finden waren. Nun, dachte ich, jetzt geht es also gleich wieder nach Hause. Nach fast 18 Tagen wohnen im Bus, ohne viele Menschen, mit einem Haufen schöner Erinnerungen. Das Vereinigte Königreich – ein paar Jährchen war es schon her, als ich das letzte Mal hier war, aber auch dieses Mal habe ich mich sofort wohl gefühlt. Ich hoffe bis zum nächsten Besuch dauert es nicht wieder so lange.

4 replies to “Abschied nehmen [Schottland & England]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star