Vogelsberg [Hessen]

Wochenende. Eigentlich ist das die Zeit in der Woche, in der das Herz höher schlägt. Stattdessen schlägt es wegen der immer neuen Kriegsnachrichten schneller. Es fühlte sich seltsam an trotz allem den Bus startklar zu machen und am Samstag ins Nachbarbundesland Hessen zu reisen. Aber egal was man aktuell tun würde, es würde sich wohl immer seltsam anfühlen.

Wir nutzen noch einmal unsere Landvergnügen-Vignette. Zum ersten Mal in diesem Jahr. Ich hatte mich gegen den Harz entschieden und für den Vogelsberg, weil ich dachte hier werde es schon nicht ganz so kalt sein. Das die Herchenhainer Höhe aber auch auf knapp 700 m liegt, hatte ich dabei nicht beachtet. Schon weit vorher sahen wir den Schnee. Am Hof angekommen wurden wir von Hunden und Ziegen begrüßt und bekamen erst einmal eine leckere Bohnensuppe zum Aufwärmen. Da wir unsere Füße nicht lange still halten konnten, machten wir uns auf den 9 km langen Bergmähwiesen-Premiumwanderweg auf.

Die hessischen Premiumwanderwege hatten es mir ja schon lange angetan. Im Winter war ich allerdings noch nie einen gelaufen. Die Wege hatte ich mir sonst immer für den Frühling oder Sommer aufgehoben, dann wenn alles blühte. Der Premiumwanderweg hier war ebenfalls ein sehr schöner, jedoch verpassten wir natürlich die blühenden Wiesen.

Schnell war daher klar, dass wir noch einmal wiederkommen mussten. Erst einmal genossen wir aber die weite Aussicht auf die Rhön, den Taunus und die Frankfurter Skyline. Die Sonne beglückte uns mit Wärme und wir konnten zwischendurch schöne Plätze für eine Teepause finden.

Ohne die Sonne und ohne den warmen Tee wäre es ordentlich frisch gewesen. Das merkten wir dann auch als wir wieder zurück am Bus waren. Den Kuchen konnten wir noch gerade so draußen genießen. Bevor wir hier aber festfroren packten wir direkt wieder unsere Sachen und liefen noch einmal zum Waldesrand hinauf. Mittlerweile waren meine Wanderschuhe leider vom Schnee schon komplett durchweicht. Ich kann euch sagen, dass nasse Füße bei Minusgraden wirklich keinen Spaß machen.

Trotz der Kälte, der nassen Füße und dem Schnee hielt ich durch. Die Sonne verwandelte die Landschaft mal wieder in ein wunderschönes Naturspektakel. Die Sicht in die Weite und über die hügelige Landschaft war einfach unbeschreiblich schön. Ach, wäre es doch immer so einfach und friedlich.

Im Bus wurde es dann richtig ungemütlich. Es halfen keine trockenen Socken etwas, keine warmen Hosen, keine dicken Decken. In den Schlaf zu finden war wirklich schwierig. Durch die Kälte war allerdings der Himmel mal wieder sternenklar. Außerdem hörte man hier oben wirklich keinen einzigen Laut – es war absolut still.

Auch die kältesten Nächte gehen vorbei. Ein wunderschöner, eiskalter Sonnenaufgang wartete auf uns. Das schlimmste am Übernachten im Bus im Winter ist definitiv die Kälte, die sich überall ausbreitet sobald man sich aus den dicken Decken bewegt: Sie sitzt in den Schuhe, den Klamotten, auf dem Beifahrersitz, an der Windschutzscheibe. Alle unsere Scheiben waren übrigens von innen zugefroren. Rein in die nassen, eiskalten Socken und Schuhe und ab auf den Berg, der Sonne entgegen – bei gefühlten minus 8 Grad.

Kalte Luft rein in den Körper. Finger ganz klamm und schmerzend. Aber doch noch einmal auf den Auslöser drücken. Immer wieder genießen. Die Farben, das Walderwachen, die Vögellaute, das Licht, die Sonne. Mit knirschenden Schritten ging es dann wieder zurück. Wir hatten uns entschieden noch einmal auf dem Heimweg auf dem Hoherodskopf anzuhalten. Als wir startklar waren und losdüsen wollten, passierte folgendes: Ernie sprang nicht an. Batterie leer. Anlasser und Glühkerzen evtl. auch mit dran Schuld. Wieder riefen wir den ADAC. Nach 1,5 Stunden konnten wir dann, dank der Starthilfe, nach Hause fahren. An Wandern, bzw. noch einmal Anhalten, war nicht mehr zu denken. Winterreisen findet Ernie also fast so doof wie die Schweizer Berge.

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