Ponta de Sao Lourenco [Madeira]

Es ist noch dunkel als wir los fuhren. Große Motivation hatte ich nicht, aber ich hoffte auf einen guten Sonnenaufgang. Als wir an der Landzunge ankamen parkte hinter uns zeitgleich ein weiteres Auto. Wir liefen los, mussten uns beeilen, da es schon dämmerte. Auf halbem Weg bemerkte ich, dass ich mein Handy im Auto liegen gelassen hatte. Da ich nicht wusste, wie es hier mit Diebstählen aussah, joggte ich noch einmal zurück, nur um danach total erschöpft auf dem Gipfel anzukommen.

Der Sonnenaufgang verzögerte sich. Am Horizont zeigten sich dicke Wolkenbänder. Dennoch war es herrlich hinunter auf das Meer zu schauen, die Möwen kreischen zu hören, auf der Klippe zu stehen und ein kleines Stück Welt zu sehen.

Die Sonne kam. Sie kroch langsam wie eine Schnecke über die Wolken hinüber. Als sie dann endlich da war, wurde es auch sofort warm. M knipste hier und da noch ein Foto. Ich hatte Fotos bei diesen Lichtverhältnissen aufgegeben und widmete mich lieber dem Frühstücksbrot, der Aussicht und den kleinen Vögel, die jetzt erwachten und ihre Lieder trällerten.

Madeira soll angeblich die Vogelbeobachtungsinsel schlechthin sein. In den ersten Tagen sah ich hauptsächlich Amseln, die überraschten mich allerdings nicht so. Von Tag zu Tag wurden es dann aber mehr der niedlich kleinen Federfreunde. Ich kam aus dem Fotos machen und Filmen nur schwer wieder raus.

Wir nutzen die Gelegenheit des frühen Morgens und starteten auf unsere Wanderung. Eigentlich sollte diese nur 6,7 km lang sein. Für mich fühlte sie sich, da kein Schatten, viel länger an. Zum Glück waren noch keine Menschen unterwegs und wir konnten unseren Weg bequem von einem Aussichtspunkt zum nächsten fortsetzen.

Die Wanderung erinnerte mich wieder einmal an Teneriffa. Bunte Gesteine, schroffe Klippen, Hitze. Eine kleine Verschnaufpause gab es zwischendurch auch. Unsere Schuhe hatten mittlerweile an doppelten Gewicht zugelegt, da der Matsch hier an den Wanderstiefeln so klebte wie Kleister an der Tapete. Wir begegneten noch einem Schwarm Rebhühner und einigen Falken. Und wenn ich in den blauen Himmel hinaufschaute, dann musste ich zwar die Augen zusammenkneifen, aber ich sah und hörte die Möwen über uns. Wenn das kein Auslöser für Urlaubsgefühl ist.

Während ich Blicke zurück warf, sahen ich immer wieder „unseren Gipfel“ vom frühen Sonnenaufgang. Wir stiegen am Ende der Wanderung natürlich auch noch etliche Stufen hinauf auf den letzten hohen Punkt. Quasi zum Kap hinauf, wovon man einen tollen Blick auf das Naturschutzgebiet hinter der Landzunge hatte. Ausblick genießen, zu Luft kommen, Meeresrauschen hören.

Der Rückweg war ziemlich genau der gleiche wie der Hinweg. Ein schmaler Weg, den man sich nun mit unzähligen Menschen im Gegenverkehr teilen musste. Eine Maske hatte ich leider nicht dabei. Viele liefen zum Glück nicht allzu weit, einige nahmen leider gar keinen Rücksicht. Wie voll musste diese Insel sein, wenn kein Corona ist. Ich war sehr froh, dass wir diese Wanderung früh genug begonnen hatten. Der Parkplatz war bis zum letzten Platz zugeparkt. Der Stress in mir stieg zunehmend, da konnten auch keine Möwen mehr was dran ändern. Umso glücklicher war ich dann als wir wieder auf der Terrasse saßen und die Stille genießen konnten.

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