Hochmoor [Solling]

Während es sich in der Stadt noch nach warmen Spätsommer anfühlte, fühlte es sich plötzlich außerhalb an wie Winter. Wir stapften zu dritt durch die Dämmerung. Pfefferspray griffbereit in der Tasche und die Müllzange griffbereit im Rucksack. Es war für meine Verhältnisse fast noch ein bisschen zu dunkel als wir beim Aussichtsturm im Moor ankamen.

Die Sonne ließ aber nicht lange auf sich warten. Während die ersten Bilder alle viel zu dunkel und körnig wurden, brachten die späteren Bilder schon bessere Ergebnisse ein. Das Wetter veränderte sich minütlich. Von Wolken zu Nebel, zu Sonne und klarer Sicht. Man musste schnell sein, wenn man hier auf ein gutes Foto hoffte.

Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass Fotos zu machen nicht alles ist. Es macht zwar Spaß den Auslöser zu drücken, es ist zwar nett sich die Fotos später anschauen zu können, aber manchmal lege ich ganz bewusst die Kamera zur Seite und schaue einfach nur was um mich herum passiert.

Beim Genießen und Schauen fallen einem die kleinen Details auf. Wie tief der Nebel hängt, wie häufig das Reh den Kopf hebt, wie die Birke schon ihre Blätter abwirft, wie gut mein Tee schmeckt und wie herrlich die Kombination aus all diesen Sachen ist.

Jetzt standen wir schon eine Stunde hier auf dem Turm. In der gesamten Zeit hörten wir immer wieder eins: Die Hirsche in ihrer Brunftzeit. Sie röhrten aus verschiedenen Richtungen laut in den Morgen. Zu Gesicht bekamen wir sie leider nicht. Kurz dachten wir, sie würden jeden Moment direkt hinter uns aus dem Waldstück laufen, aber sie raschelten und röhrten nur weiter versteckt vor sich hin.

Nachdem wir alle drei zu Eisklötzen gefroren waren, mussten wir uns doch endlich mal wieder etwas mehr bewegen. Es galt ja auch noch den Moorweg abzulaufen. Leider war der nicht besonders lang, dafür aber herrlich schön. Die gerade aufgegangene Sonne trug zur Stimmung ihr übriges bei. Das Geräusch des Holzweges unter unseren Schuhen war mein persönlicher Soundtrack für diesen Morgen.

Dann galt es ja auch noch etwas gutes zu tun. Seit Anfang Mai habe ich jetzt nun schon meine Müllzange. Genutzt habe ich sie bisher nicht. Immer lag sie Zuhause. Beim Packen der Sachen war mein Kopf immer woanders. Während ich den Müll auf den Wegen sah, war er wieder bei der Zange. Heute, passend zum world clean up day 2021, habe ich sie endlich eingeweiht und trotz Naturschutzgebiet eine ganze Tüte Müll voll bekommen. Vom Aufräumtag habe ich übrigens erst später erfahren. Die Zange plus eine Mülltüte werden ab jetzt aber meine neuen treuen Begleiter beim Rausgehen sein.

6 replies to “Hochmoor [Solling]

  1. Schon traurig, wenn du in so einer wunderschoenen Gegend so gar nicht dazu passende Begleiter brauchst!
    Abgesehen davon, habe ich mich beim Lesen, als du das erste Mal deine Zange erwaehnt hast, gefragt, was du da wohl aufbrechten moechtest! ;-0
    Viele Gruesse
    Christa

    Gefällt 1 Person

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