Dolomiti Höhenweg [Italien]

Am Abend vorher hatte ich mir alle meine warmen Klamotten zurechtgelegt. Ich holte sie morgens um 5:30 Uhr in meinen Schlafsack. Es dämmerte und ich war wie erstarrt: Die Kälte lähmte mich. Meinen Schlafsack zu verlassen war eine Qual. Es klappte nur mir langem und konsequentem Gedankenzureden. Als ich aber erst einmal in meinen Klamotten verstaut war und an die frische Morgenluft trat, war es um mich geschehen. Ich eilte los, denn ein bisschen was vom Sonnenaufgang (oder zumindest vom Morgenlicht) wollte ich auch mitbekommen.

Die Berge sahen unwirklich aus. Dieses Glühen, dieses Rot. Ungefähr 10 Minuten konnte ich dieses Spektakel betrachten, bevor das Licht den Übergang vom warmen Rot ins helle Gelb geschafft hatte. Meine Morgenwanderung begann hier erst. Vom Campingplatz machte ich mich auf den Weg.

Es war kein Mensch unterwegs. Einerseits liebe ich diese Ruhe und morgendliche Stimmung, andererseits kannte ich mich hier nicht aus, hatte kein Handyempfang und es gab Bären. Die Wege waren teilweise rechts und links zugewachsen von dunklen, verwucherten Kiefersträuchern. Da hätte sich ein Wolf, ein Mensch oder ein Bär verstecken können, ohne das ich ihn entdeckt hätte. Zudem ging es mal wieder ordentlich steil bergan. Meine Lunge brannte, aber stehenbleiben kam heute Morgen erst in Frage, wenn ich meine Umgebung etwas besser überblicken konnte. Und diese Landschaft kam. Sobald ich oben auf dem Aussichtspunkt war, folgte danach der Dolomiti Höhenweg. Flache Fläche zwischen wunderschönen, riesigen Bergen. Bäche und Flüsse musste ich kreuzen. Die Brücken waren gefroren. Ich war dankbar um meine warmen Sachen und ich war verliebt. Ein bisschen fühlte ich mich auch wie auf einer Expedition oder in einem wilden Film.

Nach meiner Einzelgänger-Wanderung traf ich am Abzweig zum Lavarella punktimdunkeln. Er war bereits seit 2:30 Uhr unterwegs. Wir trafen uns dort, wo die Sonne über die Bergspitzen wanderte. Nicht nur wir wurden dadurch wach, auch einige Murmeltiere konnten wir beobachten. Aufwärmen mussten wir uns auch erst einmal. Nach gefrorenem Boden und Atemwolken, tat die Sonne sehr gut. Sie küsste uns quasi wach.

Wir setzten unsere Wanderung noch bis zur nächsten Hütte fort, bis wir entschieden wieder umzudrehen. Ich hätte wahrscheinlich noch ewig so weiterlaufen können. Es gab immer wieder etwas neues zu entdecken, obwohl sich nichts veränderte. Die Dolomiten waren ein großes, ganz reales Wimmelbild. Allerdings war mittlerweile auch schon bis zu ungefähr allen Menschen durchgedrungen, dass es ein schöner sonniger Morgen werden würde. Und der Höhenweg scheint ein beliebter Wanderweg zu sein. Es wurde voll und laut und ich sehnte mich nach der Stille und dem menschenverlassenen Morgen.

Ich hätte nie gedacht, dass mich die Dolomiten doch noch so kriegen würden. Leider waren wir nur zwei Tage hier und konnten uns nicht weiter umschauen. Morgen sollte unsere Reise schon weitergehen. Zum Beschnuppern, kennenlernen und zum verlieben reichte es aber vollkommen aus. Liebe auf den ersten Blick braucht nicht viel Zeit. Außerdem ist sie ziemlich unwiderstehlich.

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