Campingurlaub

Mit dem Wohnmobil oder dem Van zu verreisen ist ziemlich aufregend. Immer wieder auf’s Neue. Man muss planen, wo man die Nacht verbringen will – ob man dann einen Parkplatz sucht, einen Stellplatz, einen Hof vom Landvergnügen oder einen Campingplatz. Gerade beim Freistehen auf Parkplätzen muss man Glück haben. Sind die ersten drei Parkplätze schon voll oder zu schief, muss weitergesucht werden. Am Ende muss man evtl. doch Kompromisse eingehen.

Fährt man einen Campingplatz an, ist das ganze etwas leichter. Hier kann im Vorfeld gebucht werden, allerdings ist man dann nicht mehr so flexibel. Im Ausland hat sich das für uns aber bisher bewährt. Vor allem in den Ländern, in denen Freistehen nicht erlaubt ist. Darauf achten wir so gut es geht. Ebenfalls liegt uns am Herzen, die Parkplätze, Stellplätze, etc. immer ordentlich zu verlassen (heißt alles mitnehmen, was man mitgebracht hat) und keinen Mist (Spülwasser, o.ä.) in die Umwelt zu kippen. Da stehen, wo es der Natur schadet, nur weil man ein idyllisches Instagram-Foto machen will, kommt für uns nicht in Frage.

Auf Campingplätzen herrschen Regeln. Und es gibt einige Sachen, mit denen man sich entweder sehr schnell unbeliebt machen oder zum Deppen des Platzes machen kann. Man ist eben nie alleine dort. Peinlichkeiten passieren, Unverschämtheiten werden beobachtet.

Wie man sich zum Deppen macht

Wir hatten gleich mehrere Gelegenheiten, um die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf uns zu ziehen. Mit neuem Campingkocher (zwei Flammen!) wollten wir unser erstes richtiges Essen kochen. Leider schafften wir es ca. 20 Minuten lang nicht, den Kocher anzubekommen. Zuhause hatte er noch einwandfrei im Test funktioniert. Hier zündete gar nichts. Wir standen mit ratlosen Gesichtern daneben. Google konnte ebenfalls nichts sinnvolles beitragen. Irgendwann entdeckte Punktimdunkeln den Hebel an der Gasflasche. Weitere 10 Minuten vergingen. Während unsere Nachbarn also ihr Essen bereits genießen konnten, hatten wir in der letzten halben Stunde ziemlich doof ausgesehen.

Irgendwie passt es nicht. Der Stecker samt Adapter war in der Büchse des Stromkastens angebracht. Der Strom lief. Kein Problem also. Die Schwierigkeit zeigte sich eher so: Den Kasten wieder zu schließen. Mit großer Überzeugung entschieden wir, dass unser Anschluss einfach zu dick sei, um durch die dafür vorgesehene Öffnung zu passen. Am nächsten Tag wurden wir eines besseren belehrt. Die Adapter der Nachbarn befanden sich im Inneren des Kastens, der Kasten war geschlossen. Unser Adapter kringelte sich von da an neben denen der Nachbarn.

Das Handtuch hatte ich gefaltet auf das Amaturenbrett gelegt. Es lag da allerdings schon ziemlich lange ungenutzt. Auf meine Nachfrage, warum Punktimdunkeln das Handtuch verschmähte, antworte er, dass sei gar nicht sein. Meins war’s auch nicht. Fälschlicherweise hatte ich aus dem Trockenraum ein Handtuch entwendet, welches definitiv nicht zu uns gehört.

Wie man sich unbeliebt macht

Während wir den Tag über eigentlich immer auf Achse waren, saßen wir abends vor dem Bus/Zelt und aßen, spielten Karten und beobachteten natürlich durchgehend das Geschehen um uns herum. Denn so macht man das schließlich. Ist besser als Fernsehen.

Die erste Aktion, die mir seitens unserer Mitmenschen negativ aufstieß war der wummernde Bass am Abend. Gerade angereist, Bierkisten und Grill ausgepackt und die Mucke angemacht. Mag ja tagsüber in Ordnung sein, nervt aber tierisch, wenn es abends weitergeht. Die Lautstärke wurde ab 22 Uhr etwas runter gedreht – man hörte jedoch immer noch das leise Pochen und die elektrischen Töne. Außerdem finde ich es tagsüber auch nicht okay, habe mich vertan, denn vielleicht möchte ich lieber lesen und keine Musik aufgezwungen bekommen.

Im Dachzelt zu schlafen hat immer was nettes. Allerdings ist es hier auch wesentlich hellhöriger, als im Bus. Und das bekam ich in dieser Nacht ziemlich deutlich zu spüren (oder besser zu hören). Um 23 Uhr begannen die neuangekommen Nachbarn ihren Bus auszuräumen. Tür auf, Tür zu, Schiebetür auf, Schiebetür zu. Anstatt einmal die Türen offen zu lassen, schafften sie es 30 Minuten immer wieder neue Sachen aus ihrem Auto hervorzukramen. Zum Ende hin schlossen sie zwischendurch auch immer wieder das Auto ab, auf, ab, auf. Ich verfluchte meinen leichten Schlaf und die ollen Hamburger mit ihrem Kack VW Bus, ihre olle Schiebtür, die Heckklappe und ihre Zentralverriegelung. Aber das war noch nicht genug. Um 03:30 Uhr wurde ich von Autolichtern geweckt. Motorengeräusche, einparken direkt auf dem Platz neben uns. Stimmen, AUTOTÜREN!, Zeltstangen. Eine halbe Stunde Pause. Es reisten Leute mitten in der Nacht an, räumten das Auto aus, warfen die Zeltsachen auf den Platz, verschwanden und packten nach 30 Minuten alles wieder zusammen, um dann um 05:30 Uhr den Platz wieder zu verlassen. War das ein Traum?

Das Versehen mit dem Handtuch war übrigens nur passiert, weil jemand im Trockenraum unsere nasse Wäsche vom Ständer genommen hatte, alles gefaltet hatte (damit es auch ja nicht weiter trocknen kann), nur um sie dann mit anderen fremden nassen Sachen auf die Waschmaschine zu legen. Ihr könnt euch vorstellen, wie erfreut ich darüber war.

Der Platz neben dem Kinderspielplatz war einerseits wie gemacht für uns (besser als Fernsehen) und andererseits eine ziemlich anstrengende Angelegenheit. Die Kinder trafen sich abends pünktlich nach dem Abendessen und eigentlich auch schon vorher, um „Menschen auf Erden“ zu spielen. Einer machte die Augen zu und rief „Menschen auf Erden“ und alle anderen 20 Kinder riefen zurück „kann nichts werden“. Das ging mehrere Stunden. Schien ein tolles Spiel zu sein.

11 replies to “Campingurlaub

  1. Wir hatten bisher Glück mit den Campingplätzen und den Nachbarn dort. Eine Gruppe hatte einen Abend mal lautere Musik an, aber zum Glück lief Radio Bob, also Musik die mir auch gefällt und war daher für mich trotzdem erträglich, bei Schlager oder so, sähe das wahrscheinlich anders aus. Am nächsten Tag und Abend war die Musik auch sehr viel leiser. Keine Ahnung, ob der Platzbetreiber da eingegriffen hat oder wie es dazu kam.
    Was die Autotüren angeht, hab ich schon befürchtet, dass ich für andere ein Störenfried bin, wenn ich abends nochmal ans Auto muss. Versuche das dann aber natürlich möglichst umsichtig, nur leider klappt das nicht immer.

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    1. Tagsüber finde ich leise Musik auch nicht so tragisch. 🙂 Aber abends, vor allem wenn man am nächsten Morgen früh raus will/muss, find ich wirklich sehr doof.
      Du gehst sicherlich auch abends bzw. spät nicht noch 20-30x an die Autotür. Ich kann schon verstehen und find es auch gar nicht schlimm, wenn man abends noch was aus dem Auto holen muss. Aber um 23 Uhr mit dem Auspacken zu beginnen und wirklich unzählige Male die Türen wieder auf und zu zu machen, find ich dann doch ziemlich anstrengend. 😀

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