Bastei & Schwedenlöcher [Sächsische Schweiz]

Mir haben sie mal gesagt, gehe niemals dort hin, wo die Touristen sich versammeln. Beliebte Orte sind immer verbunden mit hohen Besucherzahlen und meistens ist das zu Sehende dann gar nicht so super, wie man sich das ursprünglich vorgestellt hat. Oder wie es einem mal beschrieben wurde. Ganz zu Anfang, als ich nach Unterkünften in der Sächsischen Schweiz gesucht hatte, habe ich mich immer an einem orientiert: An der Bastei. Das war die einzige Sehenswürdigkeit, die mir dort bekannt war – und daher schaute ich immer wie weit es von dort aus zu den einzelnen, in Frage kommenden Unterkünften war. Für mich war da schnell klar, dass ich die Bastei zumindest auf einen Abstecher besuchen musste. Zu Sonnenaufgang, das hatte ich mir zumindest wunderschön ausgemalt. Und weil wenig Menschen und so. Aber dann kam alles anders.

An unserem letzten vollständigen Tag sollte es regnen. Schon war der Plan zu Sonnenaufgang tolle Fotos zu machen dahin. Es schüttete sogar in Strömen. Hingegen jeder Vernunft starteten wir trotzdem zur Bastei. Als wir ankamen wurde uns der Vorteil des Wetters anhand zwei Punkten sehr deutlich. Erstens: Auf dem Parkplatz war nichts los. Bedeutete also auch, das wir quasi die ganze Bastei für uns alleine hatten. Der zweite Punkt machte sich dann etwa 15 Minuten später bemerkbar. Während wir in eine gefühlt kilometerfette Wolke schauten und uns am Aussichtspunkt fragten, ob hier eigentlich schon die Brücke zu sehen sein sollte, riss die Wolkendecke auf. Von einer auf die andere Sekunde – und gab einen fantastischen Blick auf den Elbbogen frei.

Wie mystisch so ein Wolkenkonstrukt und Nebel sein kann, habe ich schon oft erlebt, aber nie so bewusst wahrgenommen wie hier an der Brücke. Während wir über die Bastei schlenderten, hörte es tatsächlich auf zu regnen. Den Aussichtspunkt gegenüber hatten wir sogar einige Minuten für uns alleine. Die Menschen erschienen aber, sobald der Regen vorüber war, in Strömen auf der Brücke und überall drumherum. Wir entschieden schnell, das nun der Zeitpunkt für die Wanderung gekommen war.

Also noch ein letzter Blick auf die imposanten Felsformationen und dann ging es weiter zu den Schwedenlöchern. Hier hatte ich im Voraus gelesen, dass diese wunderschön sein sollten. Der Weg führte allerdings ca. 900 Stufen bergauf oder bergab (je nach Richtung). Für mich war eindeutig entschieden, dass ich diese Stufen nur hinunterlaufen wollte. Zum Glück, sag ich da nur. So konnte ich den Weg durch die Felslandschaft viel besser genießen.

All die Stufen, die Brücken und kleinen Unterführungen erinnerten mich häufig sehr an die verschiedenen Canyon in Kanada. Wilde, grüne Felsen schließe ich häufig schnell ins Herz. Solange der Weg dann auch noch nicht allzu besucht ist und es schön ruhig ist, macht mir die Wanderung besonders Spaß.

Ein bisschen Abenteuer hatten wir auf dem Weg auf jeden Fall. Hinter den Schwedenlöchern geht es links zum Amselfall. Wir bogen rechts ein und waren verwirrt, wie viele Menschen hier plötzlich Richtung Bastei strömten. Da wir da ja aber gerade das Weite gesucht hatten, kraxelten wir in Richtung Honigsteine. Kein Wanderweg, nur Zugang zu den Kletterfelsen. M war sich sicher, dass dieser Weg der richtige war und so kamen wir doch auf die Kostprobe etlicher Stufen hinauf.

Oben angekommen wurden wir wieder mit einer unglaublich imposanten Aussicht belohnt. Wiesen, Wälder, die kleine Bastei und etliche Felsen lagen uns zu Füßen. Ein perfekter Ort, um ein Picknick zu machen. Hier oben traute ich mich dann doch noch ein über einen kleinen Felsvorsprung auf die andere Seite des Kletterfelsens. Der Kletterstieg am Vortag hatte abgehärtet.

Irgendwann fanden auch andere Menschen diesen verwunschenen Platz hier ganz oben und wir machten uns schnell auf den weiteren Weg. Dieser führte nun über schmale Pfade an weiteren Felsen vorbei (manchmal ziemlich dicht am Abgrund) und streckenweise durch den Wald.

Um es nicht langweilig werden zu lassen, kam eine Kletterpassage abwärts. Als diese geschafft war, standen plötzlich zwei sehr hilflos und aufgebrachte Menschen vor uns, die den Weg nicht mehr weiter fanden. Um die Ecke herum hatten sie sich nicht weiter getraut. Für sie sah es wohl so aus, als ginge es dort nicht weiter. Wir folgten den kleinen schwarzen Pfeilen und hatten von dort an Begleiter. An einigen Stellen war M schon kurz davor die Bergwacht zu rufen, da beide weder schwindelfrei noch trittsicher waren. Auch die Kletterpassagen bergab bewältigten sie nur mit Mühe und Not. Am Amselsee verabschiedeten wir uns von ihnen und schlugen den Rückweg ein. Von da an war ich die Geforderte. Meine Kondition war bedenklich. Mit Wanderschuhen auf nassen Felsen klettern war auch nicht ganz ohne. Ich war froh, dass meine Eltern mich hier nicht sahen. Was es war: Auf jeden Fall abenteuerlich und letztendlich wurde man mit tollen Ausblicken belohnt. Ebenfalls mit Ruhe und wunderschönen Pfaden. Man musste nur erst einmal wieder das Adrenalin abbauen, nachdem man die glitschigen Steine hochgeklettert war.

Kurz vorm Ziel durften wir dann noch einen Blick auf die Bastei werfen und waren sehr froh, dass wir bei Regen losgefahren waren. Die Menschen tummelten sich auf der Brücke. Und sie waren laut.

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