Häntzschelstiege & Idagrotte [Sächsische Schweiz]

Dieser Beitrag wird vor allem sehr fotolastig. Die besten Eindrücke gibt es nämlich, wenn Bilder da sind. Auch wenn die Realität nie so ganz rüberkommt, kann man zumindest eine Idee davon bekommen. Wir hatten im Vorfeld noch unsere Kletterausrüstung um ein Klettersteigset ergänzt. M, der da nichts kennt, hatte sich auch direkt die XL-Steige rausgesucht. Kann man machen, man muss aber nicht direkt scheitern.

Also starteten wir am Freitag früh zu den Häntzschelsteigen. Diese waren angegeben als beliebtester und mittelschwerer Stieg. Vor allem aber nur mit Klettersteigset und nur für Geübte. Mir bammelte es. Ich hatte schnell gelernt: Ein Sturz ins Klettersteigset sollte niemals stattfinden, da meistens starke Verletzungen die Folge sind. Geübt war ich ebenfalls nicht. Der Weg zu den Häntzschelsteigen ist schon was für Sportliche. Da merkt man die Anstrengung. Und vorher erst einmal einen Parkplatz zu finden ist noch viel schlimmer. Am Beuthenfall das Auto abgestellt und stetig bergauf (ca. 15 Minuten Fußweg), bis wir vor dem Steig standen. Vor uns starteten bereits etliche andere Menschen.

Der Einstieg des unteren Häntzschelsteigs ist in etwa 2 Meter Höhe angebracht. Sich da hoch zu wuppen, ist für eine kleine Person schon die erste Herausforderung. Allerdings auch verständlich. Denn hier sollte nun wirklich nicht jeder hoch. Zumal es keine Chance gibt umzukehren, sobald man einmal los ist. Nicht nur, weil hinter uns schon die nächsten Gruppen kamen, sondern auch, weil die Leitern und Stiegen einfach viel zu schmal für Gegenverkehr sind. Ist man aber erst einmal über all die Eisenstufen nach oben geklettert, wird man direkt mit einer netten Aussicht belohnt.

Nach einer kurzen Verschnaufpause (die Beine zitterten vor Aufregung) ging es dann weiter in den oberen Häntzschelstieg. Der ist tatsächlich auch das eigentliche Übel, bzw. die größere Herausforderung. Direkt am Start beginnt der Einstieg mit einer sehr engen Felsspalte, durch die man sich ein paar Meter zwischen die Felswände ins Innere quetschen muss, um dann ca. 15 Meter nach oben zu klettern. Auch hier noch alles tutti bei mir gewesen – selbst die Enge der Felsen war okay. Als man dann jedoch oben rauskommt, folgt ein beherzter Schritt von der einen Seite des Felsens auf die andere Seite des Felsens, wo die nächste Leiter wartet. Unter einem ist in dem Moment nur noch ein schwarzes Loch.

Hat man sich erst einmal nach oben gekämpft, ist die Aussicht wieder wunderschön. Die Felslandschaft und die Weiten des National Parks liegen einem zu Füßen. Nach der Überwindung des Spaltes, hatte ich schon aufgeatmet. Im Internet hatte ich von einer Felsspalte gelesen, die überquert werden musste und bei der häufig der Kopf blockiert. Ich hatte mich dann allerdings zu früh gefreut.

Dann kam er da also noch: Der Schritt von der einen Seite zur anderen. Mit Sicherung, aber trotzdem total unsicher. Möglicherweise fluchte ich ein bisschen. Es konnte doch nicht sein, dass ich jetzt hier festhing, nur weil mein Kopf sagte: „Nö, das ist zu gefährlich, da gehst du nicht rüber.“ Obwohl ich wusste, dass mein Körper nur einen einzigen, nicht mal sehr weiten Schritt machen musste, hat es lange gedauert, bis ich mich dazu überwinden konnte. Vielleicht darf man nicht zu lange warten. Fuß vor gesetzt und rüber gegangen. Unter mir 30 Meter Nichts, bis zum Boden. Nichts für schwache Nerven.

Ich wiederum war stolz wie ein Kind, dass das erste Mal alleine aufs Töpfchen gegangen ist. Ich hatte meine eigenen Grenzen überwunden. Ich war wirklich und wahrhaftig im Ganzen oben angekommen. Einfach so. Leute, ich musste erst einmal Luft holen und kurz realisieren, wie hoch ich hier eigentlich war. Als ich dann auf den Steinen saß und weiter wollte, war ich angefixt. Noch mehr Eisenleitern, noch mehr Herausforderungen! Jetzt, bitte. Aber M holte mich in die Realität zurück: Ab nun war der Steig beendet. Es sollte auf einem wesentlich gemütlicheren Weg weitergehen.

Der Gratweg war beinah ein Spaziergang für uns. Hier konnte der Kopf wieder frei vom Adrenalin werden. Die Aussicht war umwerfend. Wir entschieden uns über die Idagrotte zurück zu laufen und kamen nach nicht allzu weitem Fußweg dort an.

Auch hier waren die Dimensionen wieder unglaublich. Kleine Menschen kraxelten über riesige Felsblöcke, nur um zu der Grotte zu kommen. Hinter den Felsbrocken folgte ein schmaler Pfad am Abgrund. Einige kehrten hier wieder um. Für uns allerdings, nach dem Klettersteig, ein echtes Kinderspiel. Wer es bis zur Grotte schafft, wird gar nicht so fasziniert von der Grotte sein, sondern eher vom Weg dorthin und der Aussicht vom Plateau aus.

Mit der Idagrotte ging unsere Erlebniswanderung, inklusive der ersten Klettersteigerfahrungen, dem Ende zu. Ich weiß bis heute nicht, wovon ich mehr Glücksgefühle im Bauch hatte. Ob von der spektakulären, atemberaubenden Schönheit des Nationals Parks oder von den geschafften Klettersteigen, die mich auf eine ganz neue Art und Weise herausgefordert haben.

Weitere Infos:
Parken kann man, wenn man schnell genug ist, im Kirnitzschtal/Beuthenfall. Von hier aus ist der Zustieg zu den Häntzschelsteigen ca. 15-20 Minuten lang. Ausgeschildert ist bis zum Steig nichts. Es scheinen auch immer wieder Leute ohne Klettersteigsets unterwegs, Empfehlung ist aber ganz klar mit. Helm hat sich bewährt, ebenso auch Handschuhe. Bei Regen nicht begehbar. Sowohl für die Steige, als auch den Weg zur Idagrotte, braucht es eine Menge Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. An Feiertagen und (langen) Wochenenden ist viel los.

6 replies to “Häntzschelstiege & Idagrotte [Sächsische Schweiz]

  1. Hallo Ines,

    danke für den schönen Bericht über eure Wanderungen im Elbsandsteingebirge. Da sind ja gigantische Felsen die da am Weg stehen und die mit abenteuerlichen Wegen erklommen werden können. Solche Wege wäre ich auch gerne mal gegangen.

    Liebe Grüße
    Harald

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