Icefield Parkway [Teil I]

Nun ist es soweit. Die ganze Zeit hatte ich im Hinterkopf, diese wohl schönste aller Straßen mit euch zu teilen. Überall stand bereits, dass dieser Weg, der den Jasper National Park mit dem Banff National Park verbindet, einer der sehenswertesten überhaupt ist. Meistens denkt man ja beim Lesen noch, dass die Autoren übertreiben. Solltet ihr das jetzt von mir auch denken, dann kann ich nur eins sagen: Fahrt selbst hin und staunt.

Wir starteten den Icefield Parkway in zwei Teilen. Von Jasper aus nahmen wir uns einen Tag Zeit, um bis zum Gletscher und dem Columbia Icefield Infocenter zu fahren. Eigentlich wollten wir ganz ursprünglich zum Skywalk. Allerdings kam dann alles anders. Bis zum Gletscher brauchten wir gefühlte Stunden, denn auf jedem Parkplatz mussten wir anhalten. Und wenn ich sage jeden, dann mein ich auch jeden. Auch wenn sich die Parkplätze aneinanderreihten, war es immer wieder umwerfend zu sehen, wie sich die Landschaft nach nur ein paar Metern geändert hatte.

Zu allererst jedoch kam mal wieder Wasserfälle. Der erste auf unserem Wege war der Athabasca Wasserfall. Mit seiner vollendeten Schönheit, riss er uns direkt in seinen Bann. Das Strömen des Wassers wurde hier in Kanada zu etwas, was mich zur Ruhe brachte. Ich hätte Stunden auf das Wasser schauen können: Wie es fällt und tobt.

athabasca

athabasca2

Wir hatten ja aber noch andere Dinge vor. Also liefen wir noch zur Mündung des Wasserfalls. Hier toste es nicht mehr so. Im Gegenteil, es war fast ruhig im Vergleich. Der breite Fluss nahm seinen Lauf wieder auf und führte sein Wasser weiter durch das Land.

athabasca1

Als wir wieder im Auto saßen, saßen wir nicht lange. Der nächste Ausblick mit atemberaubender Landschaft wartete schon auf uns. Also wieder hinaus in die frische Morgenluft. Hier verweilten wir tatsächlich ein bisschen länger. Eigentlich hätte man von hier aus wohl gut die Bergziegen und Steinböcke beobachten können. Aber mein Bruder hatte das Fernglas in Deutschland gelassen. Herzlichen Glückwunsch.

icefield

Das Wasser nahm wieder einmal diese ganz besondere Gletscherwasserfarbe an. Als wir genug gestaunt hatten, ging es dann doch weiter. Weit kamen wir nicht, denn da entdeckten wir etwas ganz besonders. Etwas flauschiges, etwas, was durch das Gebüsch zog und sich von der Straße und den Menschen so gar nicht beirren ließ. Mein Herz jubelte auf und platzte beinahe vor Freude.

bär

Letztendlich war der nächste wirklich geplante Stopp bei den Sunwapta Falls. Lustiger Name für diese schönen Wasserfälle. Auch hier nahmen wir uns die Zeit ein bisschen den Wasserverlauf anzuschauen und uns vor allem im Moment einfach wohl zu fühlen.

sunwapta

Gigantös, könnte man sagen. Schon bald kam der Gletscher in Sicht. Ich muss zugeben, ich habe mir Gletscher nie spektakulär vorgestellt. Halt wie ein Berg mit Eis. Als dieser Athabasca Gletscher dann ins Bild rückte, blieb mir doch kurz die Spucke weg. Was für eine Naturschönheit! Famos, muss man sagen. Ich stand auf diesem kleinen Parkplatz, starrte auf das Eis und wollte so nah wie möglich heran. Der Skywalk war vergessen. Komplett vergessen.

gletscher

Eine Portion Eis, bitte. Wir ließen den Skywalk mit seinem teurem Eintritt einfach rechts liegen und fuhren weiter bis zum Parkplatz des Gletschers. Hier sprangen wir voller Vorfreude aus dem Auto und hechteten den Berg hinauf. Dann kam die Ernüchterung. Schön war er noch immer, aber die Hinweisschilder zeigten eindeutig, welches Monster hier am Werk war: Der Klimawandel. In den letzten Jahren war das Eis drastisch zurückgegangen. Es reichte weder bis zur Straße, noch bis zum Wanderweg. Die Erderwärmung hatte ihn nach und nach zugesetzt. Wir bekamen das Ausmaß des Klimawandels nun schon zum zweiten Mal zu Gesicht. Und das in einem National Park in Kanada. Dort, wo es eigentlich im Winter enorme Minusgrade werden sollten und dort, wo der Mensch die Natur noch belässt, wie sie ist. Bis auf die wenigen Straßen (genau genommen diese eine), die durch das riesige Gebiet führt.

gletscher1

Traurig und schockiert zogen wir zum Auto zurück und plagten uns beim Infocenter mit dem Parkplatzkampf. Zum Glück bekamen wir dort dann, nach langem Suchen und warten, doch noch einen. Das war es wirklich wert. Nach einem leckeren kalten Kakao schlenderten wir durch die ganzen Infotafeln und schüttelten frustriert mit dem Kopf. Hier wurde noch einmal in kleinsten Details beschrieben, wie die Kanadier mit der Erderwärmung zu kämpfen haben. Wie sehr die Natur darunter leidet und wie schnell der Gletscher verschwindet.

Lie

  • Stop and go an den schönsten Orten.
  • Den Moment genießen.
  • Die Natur genießen.
  • Gletscher bestaunen.
  • Einen Bären sehen. Ganz nah.

 

8 replies to “Icefield Parkway [Teil I]

    1. Hallo Horst,
      ich fotografiere schon seit ca. 10 Jahren mit der Canon EOS 450D. Die Belichtungsmessung kann man einstellen. Allerdings bin ich im professionellen Fotografieren gar nicht so bewandert. Häufig schaue ich, wie es sich vom fotografieren am Besten anfühlt. Habe mir aber fest vorgenommen mir demnächst mal mehr Wissen anzueignen. 🙂

      Gefällt 1 Person

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