Katzeninstinkt

Der weichste Teil der Hand ist eindeutig dort, wo der Muskel Daumenanzieher zwischen Daumen und Zeigefinger entlang läuft. Ich fahre fasziniert über diese Stelle der großen Hände. Der Rest dieser Pranken sind rau, von der Arbeit und vom Klettern kaputt. Mit Hornhaut und Kratzern überzogen. Überhaupt ist dieser Körper neben mir ziemlich verschorft und mit Hämatomen übersehen. Ich drücke vorsichtig auf den blauen Fleck am Ellenbogen. Tut anscheinend nicht weh. Er zuckt nicht einmal zusammen.

Es ist spät geworden. Sein Kater springt auf’s Sofa und kuschelt sich an ihn. Jetzt ist sowieso kein Platz mehr für mich. Also hieve ich meinen müdeschweren Körper hoch und streife kurz meine Finger durch das Fell des Katers und weil’s nur fair ist, auch durch den dunklen Schopf seines Besitzers. Der eine schnurrt, das Katzentier nicht. Es mag mich nicht. Kein Wunder, immerhin war ich gerade dabei in das Hoheitsgebiet des Katers einzubrechen. Mich auf dem Sofa breit zu machen. Und das können diese kleinen Könige schließlich nicht zulassen.

Ein kurzes Anfunkeln in die grünen Katzenaugen. Wir trauen uns nicht über den Weg. Dieser clevere Kater weiß nicht, was er von mir halten soll. Während der zweite mich schon bedingungslos ins Herz geschlossen hat, bleibt der andere skeptisch. Kühl. Zurückhaltend. Vorsichtig. Vielleicht spiegelt er mein Verhalten auch einfach wieder und beobachtet mich abwartend aus der Ferne.

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