Oh Julian, ach wie schön!

Zurück in einer Stadt, in der ich mich wohlfühle, obwohl sie als sehr unschön gilt. Ja, manche sagen sogar mit bösen Zungen, sie sei hässlich. Gut, das stimmt, Kassel ist nicht die schöne Stadt der Welt, aber sie hat ein besonderes Flair. Ich freue mich immer hier zu sein. Habe nur gute Erinnerungen an das eine Semester Studium hier. Vor allem an ganz viele nette Menschen, Abenden in WGs, gute Konzerte und die Dokumenta. Wer Kassel als hässlich bezeichnet, ist nie in den Auen unterwegs gewesen, hat nie die Menschen dieser Stadt kennengelernt. Aber am Sonntagabend verschlug es uns wegen eines ganz besonderen Menschens nach Kassel: Der junge Schweizer Julian Pollina (Faber).

Wenn ich das Konzert in ein paar Worten beschreiben sollte, klinge das womöglich so: Gänsehaut, Gänsehaut, Lachen, Gänsehaut, Gänsehaut, Gänsehaut, Herzrasen, Freude, GÄNSEHAUT. Aber vielleicht ist das nicht wirklich aussagekräftig. Daher also noch einmal von vorn. Um 19:30 Uhr kam da dieser Wuschelkopf auf die dunkle Bühne, begrüßte niemanden, benötigte die Gitarre eigentlich gar nicht, weil seine Stimme alleine so tief geht, dass man nichts anderes mehr hören möchte. Mit dem Lied ohne Namen singt und brummt er uns in Stimmung.

faber

Keine Frage, Faber ist jemand, der kritisch ist. Kritisch denkt. Kritisch singt. Ich habe irgendwo mal gelesen, er würde Haken in seinen Liedern schlagen. Vielleicht ist das die zutreffendste Beschreibung. Man denkt, man könne ihm folgen und zack ist er schon wieder ganz woanders. Ironisch clever. Fast obszön singt er die vulgären Wörter in den Abend.

„Ja dein Neuer der sei Rapper
dein Neuer der sei besser
Dein Neuer hat ein Unterarmtattoo
Dein Neuer der trägt im Gesicht ein Vollbart
meine Neue nur ein‘ Flaum
Du bist einfach abgehauen“
(Faber: Sei ein Faber im Wind)

Dann weiß man manchmal nicht so richtig, was er ernst meint und was nicht. Das eins seiner Lieder bei der Bachelorette auf RTL II kam, benannte er als große Freude. Wir Deutschen dachten, er mache einen Spaß. Dennoch ist sein Humor ziemlich fies und wahrscheinlich auch eigentlich sehr schwarz. Aber ich mag das. Nach einem Geburtstagsständchen für Elena, begann er den nächsten Song mit „Einer von uns beiden ist ein Arschloch, und das warst du… Elena.“ Entschuldigt hat er sich aber gleich darauf. Das Schmunzeln blieb.

Zu bewundern ist auch seine Band. Da wird noch Musik gemacht und nicht mit dem Synthesizer stumpf Knöpfe gedrückt. Die sind wirklich stark, da harmoniert einfach alles. Auch dann (oder vor allem dann), wenn der Pianist bei einem der Lieder Julian auszieht.

„Kleider machen Leute machen Kleider
Alles dreht sich im Kreis
Es ist schön, dass ich weiß
da komm‘ ich lebend nicht mehr raus“
(Faber)

Am Ende kann nur gesagt werden, dass ich eigentlich gar nicht gehen wollte. Die fünf Knaben auf der Bühne sind spontan, selbstkritisch, lustig und sehr flexibel. Nur in ihren Ansichten nicht-hoffe ich zumindest. Aber wer weiß das schon, denn „nur die wirklich blöden Fische schwimmen gegen den Strom.“

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