Kurzer Beschwerdebrief

Das Kopfkissen ist endlich wieder weich. Die Milch schmeckt nicht mehr nach Wasser. Die Sonne scheint zwar noch immer, aber es ist nicht mehr so warm. 14 Tage Spanien sind vorbei – quasi einfach wie Wattewölkchen in der Sonne verpufft. Ich bin wieder zurück. In meinen eigenen vier Wänden und mit vielen Gedanken im Kopf. Meine Urlaubsberichte möchte ich dieses Mal nämlich nicht mit schönen Orten und Erlebnissen beginnen, sondern damit, was mich irgendwie beschäftigt hat.

Touristenauflauf. So könnte ich mit dem ersten Abschnitt beginnen. Denn Mallorca war leider – obwohl tatsächlich die Ferien schon vorbei sind – überlaufen. Nun kommen nämlich die ganzen Paare, Freunde und Familien mit kleinen Kindern. Und weil sich keiner mehr traut nach Ägypten, Tunesien oder in die Türkei, suchen sie alle ihre Ruhe und Erholung auf der Insel. Doch alles was sie suchen, findet man dort gerade nicht mehr. Die kleinen Städtchen sind voll von Leuten mit Selfiesticks, die Strände und Buchten überlaufen von Touristen mit Sonnenbrand. Eincremen braucht man sich gar nicht mehr, denn einmal im Meer schwimmen gewesen, hat man die Sonnencreme von 12 Millionen Mallorcabesuchern auf der Haut. Und das ist ungelogen: 12 Millionen sollen es dieses Jahr sein. In den Bergen liegt der Müll auf den Wanderwegen. Kreuzfahrtschiffe (bis zu fünf Stück) ballern Unmengen an Feinstaub in Palmas Straßen. Für mich kein Wunder, dass die Einheimischen demonstrieren. Wohnungen werden teuer als Ferienwohnungen weitervermietet und die Miete für die Mallorquiner somit unbezahlbar. 

Multimedia in den unpassendsten Situationen. Es wäre vielleicht alles gar nicht so schlimm, dass so viele Leute auf der Insel wären, wenn sie sich doch ein bisschen mehr benehmen würden. Auf der Autobahn fahren Menschen mit dem Handy in der Hand 130 km/h an dir vorbei und dem Auto vor dir fast den Spiegel ab. (In Deutschland machen das laut Studie übrigens 61 % der Autofahrer. Mit der Begründung, sie wollen sich nicht langweilen und immer auf dem Laufenden bleiben.) Nicht nur Asiaten filmen mit dem Smartphone ihren Spaziergang durch Palmas Straßen-da fragt keiner, ob man mit auf dem Video sein möchte oder nicht. Wenn das 4-jährige Kind am Tisch nicht ruhig ist, stellt man halt das Tablet daneben und lässt eine Serie laufen (was ist eigentlich aus den guten alten Buntstiften geworden?). Während der Rennradfahrer um die Ecke fährt, extra abbremst und schaut, rast eine junge Touristin auf dem Fahrrad mit dem Handy in der Hand fast in ihn hinein-ohne aufzugucken. Aber Hauptsache das Selfie ist gut geworden, damit sie das Foto schnell auf Instagram posten kann und alle wissen, wie gut sie es doch gerade hat.

Müll und Plastik. 16 Tonnen Müll haben die Müllschiffe an den Küsten Mallorcas aus dem Meer gefischt. Im Juli 2017. (Nachzulesen hier) Davon ist das meiste Plastik gewesen. Überlegt euch mal kurz wie viel Plastik wiegt und wie viel Müll es braucht, um auf 16 Tonnen zu kommen. Genau das fällt auch auf. Umso mehr Touristen es geworden sind, umso mehr Müll wird produziert. Soweit logisch. Aber muss man diesen dann am Strand und in den Bergen liegen lassen oder sogar im Meer entsorgen? Ist es zuviel verlangt zum Mülleimer zu gehen oder seine leere Plastikflasche wieder mitzunehmen, falls gerade keiner vorhanden ist? Anscheinend ist das leider so.

Schlusswort. Es ist nicht einfach immer etwas gutes zu tun oder acht zu geben auf Mitmenschen und Natur. Da kann ich mich nicht ganz von ausnehmen, wenn ich mehr darauf achten würde, könnte ich z.B. noch viel weniger Müll produzieren, nicht mehr so viel Plastik kaufen, etc. Aber gehört es nicht zum Respekt und Benehmen dazu, wenigstens ein bisschen darauf zu achten, dass man niemanden in Gefahr bringt oder die Umwelt nicht total verdreckt hinterlässt?

Vielleicht klingt es jetzt erst einmal so, als wäre der Urlaub eine große Katastrophe gewesen. Stimmt nicht und das werde ich euch mit den nächsten Berichten auch zeigen-da bleibt ihr nicht verschont von. Ich finde es nur wichtig, auch mal auf solche Sachen aufmerksam zu machen.

 

 

10 replies to “Kurzer Beschwerdebrief

  1. Dein weiches Kopfkissen sein Dir besonders gegönnt, liebe Ines: Herzlich Willkommen zurück! –

    Dein Eintrag hier ist schön, weil er wichtig ist und weil er zeigt, dass Du mit ebenso offenen wie kritischen Augen durch die Welt, auch Deine Urlaubswelt, gehst. Nicht, dass mir das so neu wäre, aber mir bestätigt es, dass es unter jenen Menschen, die mir mehr oder weniger näher stehen, viele ähnlich Wahrnehmende gibt, und sie es alle auf eine Weise tun, die mir wiederum nahe ist. Das tut gut, macht die eigenen Gedanken, das eigene Leben, ein Stückchen leichter.

    Liebste Grüße an Dich!

    Liken

  2. ich find’s gut, dass du auch die schattenseiten beleuchtest und vor allem drüber nachdenkst. der teil „multimedia“ spricht mir sehr aus der seele. ich bin selbstverständlich auch kein lämmchen, was das angeht, aber es nimmt einfach so überhand, auch in meinen augen, dass ich ganz oft den kopf schütteln muss.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star