Das Dschungeltagebuch (USA Tag 10)

Hugh Taylor Birch State Park

Fort Lauderdale, was kann man hier für Unfug treiben? In den bisher gesehenen amerikanischen Städten hatte ich wenigstens einen gewissen Plan, was es sehenswertes gibt, auch wenn ich nicht wusste, wie man dorthin gelangt oder ob es sich lohnen würde den Weg auf sich zu nehmen. In Fort Lauderdale hatte ich im Grunde genommen nichts.

Trotzdem erstellten wir einen groben Plan für den Tag. Zuerst einmal wollten wir uns im Hugh Taylor Birch State Park ein Kanu oder Inliner leihen. Als wir dort ankamen, bezahlten wir die Eintrittsgebühr von 6$ und passierten somit ohne Probleme den Eingang. Unser Auto stellten wir auf dem ersten sichtbaren Parkplatz ab. Neben tausenden von Kindern, die wohl gerade ihr Summercamp in Anspruch nahmen. Wir wanderten unbeirrt los. Nach der nächsten Kurve hörten wir die Kids schon gar nicht mehr. Wir sahen sowieso kaum noch Menschen. Mal einen Fahrradfahrer oder Jogger, mal jemanden mit Inlinern, sonst war es wie ausgestorben hier. Schon nach wenigen Metern wurde uns bewusst, dass wir weder den Kanu- noch den Inlinerverleih finden würden. Deshalb stellten wir den Plan um und machten uns für einen Spaziergang der etwas längeren Art bereit.

Tag 10 NPTag 10 State Park
Oh, schöne Natur, mit all deinen Tücken.

Durch den mittelgroßen Park führt eine asphaltierte Straße, die wir schon bald verließen, um uns auf einem wunderschönen Trampelpfad durchs Unterholz zu schlagen. Mehrere Meter ging das wirklich erstaunlich gut. Wir sahen bezaubernde, wunderschöne Schmetterlinge, hörten es links und rechts rascheln und freuten uns an der Natur. Bis wir die Spinnen entdeckten, die über unseren Köpfen ihre Netze gespannt hatten. Versucht mal mit einer Spinnenphobikerin unter untertassengroßen Spinnen entlang zu laufen, ohne sich von der Phobie anstecken zu lassen: Funktioniert überhaupt nicht. Ich finde Spinnen eigentlich nicht schlimm – bis auf die, die echt widerliche Farben haben, oder eben riesen groß über deinem Kopf schweben. Was ist wenn die runterfallen? Auf dem ziemlich zügigen Rückweg zur Straße, tauchten sie auch plötzlich an allen Ecken auf. Ich konnte mich glücklich schätzen, dass ich sie so lange nicht bemerkt hatte.

Eine asphaltierte Straße ist zwar nicht so romantisch wie ein bewachsener Trampelpfad, aber wir waren ja auch nicht in den Flitterwochen. Außerdem schloss der Weg die Natur keineswegs aus. Wir sahen etliche weitere Schmetterlinge, Spinnen, einen Waschbär und die kleinen Geckos, Gummibäume, Mangroven und den Banyan Tree. Das Rascheln erschien uns mittlerweile eher bedrohlich – wer wusste schon, ob es hier nicht auch Schlangen oder Alligatoren gab. Keiner, genau. Und wem würde es auffallen, wenn wir hier irgendwo am Wegesrand verreckten? Keinem, genau. Im Endeffekt fühlte ich mich dennoch pudelwohl in diesem Park. Auch wenn die Stimmen der Kinder durch den Dschungel hallten und die Hitze mal wieder zu drücken begann.

Las Olas Beach; Jungle Queen

Das war auch ausschlaggebend dafür, den Strand zu testen. Der nur ein paar Meter weiter begann und seine ganze Schönheit preisgab. Der Las Olas Beach in Fort Lauderdale ist wohl mit der schönste Strand, den ich bis jetzt gesehen habe. Ob es der schöne Sand macht oder das klare Wasser, keine Ahnung. Wahrscheinlich liegt es am Zusammenspiel zwischen Palmen, Meer und Strand. Und obwohl er so wunderschön ist, sind kaum Menschen hier. Trotzdem birgt er auch Gefahren: Überall steht die Warnung und Vorsicht vor Korallen. Ebenso ist dies wohl ein Strand, an dem Schildkrötennester liegen. Ich hätte zu gern die winzigen Turtles gesehen, aber dafür waren wir wohl zur falschen Zeit dort.

Tag 10 Beach FL
Einer der schönsten Strände der Reise. (Zusammen mit all den anderen Strandschönheiten.)

Mittlerweile hatte sich das Wetter geändert – ist ja immer so, wenn das feste Vorhaben hat, nach einem Ausflug nochmal schnell in den Atlantik zu springen. Wir saßen also auf den Klappstühlen der Jungle Queen und warteten auf die Schiffsfahrt. Der Captain war ein witziger Knabe. Er sang, erzählte alles in einer typisch amerikanischen Trockenheit und machte sich über die Reichen lustig. Ja, die Reichen. Fort Lauderdale hat ja ebenfalls ein Venedig, mit all den Kanälen die sich an den Villen vorbeischlängeln. Eine ganz eigene Welt. Und so schipperten wir 3 Stunden mit der Queen vorbei an imposanten Yachten (die ungefähr so groß waren wie Mehrfamilienhäuser), Villen, die ihre Gartenpflege selbstverständlich Gärtnern überlassen hatten (so sah es da auch aus: Nicht ein Halm ragte über den anderen hinaus), alten Häusern und Museen und unter klappbaren Brücken entlang. Nach 1 ½ Stunden legten wir an einer kleinen Insel an, auf der es Ninja-dogs gab (laut Kapitän Loui), ebenso Papageien (die wahrscheinlich besseres Englisch konnten als ich), Alligatoren und Affen. Und dann brach das Unwetter los. Es schüttete wie aus Eimern und es blitzte im sekundentackt in weiter Ferne. Ich fühlte mich nicht so super sicher auf dem Wasser, aber die anderen schien es nicht zu stören.

Tag 10 Jungle Queen
Angebermodus: Wo alles größer, teurer, schöner und schneller ist.

Es hörte auf zu regnen, sobald wir den Weg zurück antraten. Hier sah ich zum ersten Mal, dass es auch möglich war Eisenbahnschienen über klappbare Brücken zu lenken. Wir standen quasi mit dem Boot im Stau. Außerdem bewunderte ich immer wieder die „Regale“, in denen riesige Schiffe übereinander gelagert wurden. Was die Welt nicht alles braucht.

Lie

  • Die Natur Amerikas auf gesichertem Boden erkunden.
  • Am Strand entspannen.
  •  Schauen, was es bei den Reichen so neues gibt.

5 replies to “Das Dschungeltagebuch (USA Tag 10)

  1. Nach Seekrankheitsanzeichen mit Haien schnorcheln und in unbekannter Natur tete a tete mit handtellergroßen Spinnen, das hat ja Albtraumpotenzial!!! –

    Oh je, mal wieder bemerke ich, was für ein ängstlicher Mensch ich bin – selbst beim Lesen Deiner Einträge krabbelt bei derartigen Schilderungen ein Unbehagen in mir hoch.

    Du scheinst zwar vorübergehend auch schockiert, aber Du gehst letztlich drüber hinweg. – Ich glaube, Du hättest auch Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ tapfer und schadlos überstanden.

    Beeindruckend!

    Liebe Grüße!

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    1. Ich glaube, mir macht eher das Angst, was ich nicht sehe. Wenn ich weiß, da ist jetzt eine Spinne neben mir, dann kann ich sie beobachten. Wenn ich aber beispielsweise nur was höre und nichts sehe, dann finde ich das um einiges unheimlicher. 😀

      Danke dir, für deinen lieben Kommentar.
      Einen schönen Sonntag und die besten Grüße!

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  2. sind die spinnen auf den naturfotos zu sehen, nee oder? ich hab angestrengt geguckt… also, das wäre für mich und wohlgemerkt auch für meinen mann der absolute horror.

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    1. Wenn sie drauf sind – was ich nicht glaube – dann eher unbeabsichtig. Ich wollte auch wirklich nicht lange stehen bleiben, mich hat’s da eh schon überall gekrabbelt. 😀
      Habe ja eigentlich nichts gegen Spinnen, aber die waren schon extrem. Für Leute, die dann noch Angst davor haben, muss das echt furchtbar sein!

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