Vergleiche

Als ich auf dem Fahrrad aus der Stadt nach Hause fahre, kommt mir eine Eingebung. Ich wurde oft gefragt, warum ich zeitweise keinen Spaß mehr an meinen Hobbys finde. Eigentlich ist es immer das Gleiche. Ich vergleiche mich mit anderen. So wie wir Menschen das häufig tun. Da ich in nichts richtig gut bin und zu vielen Hobbys nachgehe, dadurch dann teilweise lange Pausen zwischendurch habe, schaffe ich auch keinen Fortschritt. Im Gegenteil, es ist eher ein Rückschritt.

Dann gehe ich nach dem Winter wieder wandern und denke: Oh je, die Beine. Oder Rennradfahren und dann ist es die Ausdauer. Dann geh ich vier Wochen Wandern und in der Boulderhalle sind alle noch stärker geworden und ich schaffe es kaum die Wand hoch. Ich habe natürlich Spaß an der Bewegung. Ich habe Spaß am Draußen sein, mir tut die frische Luft gut. Aber gerade beim Bouldern habe ich das Gefühl, ist es doch immer wieder ein Vergleichen. In der Halle wird geredet, wer welchen Boulder gemacht hat. Menschen prahlen mit ihren abgeschlossenen Projekten am Fels. Da vergeht mir ein bisschen der Spaß an der Sache.

Nun ist es bei mir zum Glück nur manchmal so und nur in Bezug auf sportliche Dinge. Wenn ich mir aber vorstelle, dass Menschen sich jeden Tag mit anderen im Allgemeinen vergleichen, dann wundert es mich nicht, dass sie depressive werden. Weil Martha mehr im Urlaub ist, weil Sonja fulltime im Van leben kan. Weil Ben ein teures Auto fährt und Marco sich mit seiner Frau ein Haus gegönnt hat. Weil Julia viel dünner und Nils viel trainierter ist. Es gibt immer Menschen die Dinge besser können als man selbst. Das ist messbar. Beim Aussehen ist das objektiv und eigentlich ziemlicher Schwachsinn sich zu vergleichen. Trotzdem passiert das sicher jeder/jedem mal.

Es gibt auch oft das Gegenteil. Menschen vergleichen sich mit anderen, um sich höher zu stellen. Dann fühlen sie sich zwar besser, aber fördern damit bodyshaming, Diskriminierung, und co. Da ist die Depression dann auch nicht mehr weit. Nach unten treten ist leicht.

Ich lege ab jetzt den Fokus darauf, was ich kann. Was ich schaffe. Woran ich Spaß habe. Vögel beobachten und immer mehr Arten kennen- und entdecken lernen zum Beispiel. Oder Aquarell malen. Fotografieren. Kommunizieren. Gärtnern. Lesen. Reisen, auch alleine.
Und mein größter Bewunderer bin ich dabei selbst.

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