Der Federsee wird offensichtlich immer häufiger ein Anlaufpunkt für mich. Dieses Mal bin ich nur den einen Abend alleine unterwegs. Weil ich mich noch nicht um 19 Uhr ins Bett legen will, laufe ich nach meinem kurzen Abendessen auf den Steg. Hier tummeln sich heute nicht nur viele Menschen, sondern auch viele Vögel rundherum. Schon nach wenigen Metern bleib ich für die kleine Rohrammer stehen. Aber weiter geht es.
Schilfrohrsänger, Teichrohrsänger, Rohrschwirle, Blaukehlchen, Flussseeschwalben, Lachmöwen und die Rohrweihe. Weit entfernt ruft der Kuckuck. Einmal kurz sogar der Pirol. Ich bleibe ständig stehen, muss immer wieder genau hinhören. Hier ein Vogel, da ein Vogel. Fotos gelingen mir erst keine. Zu scheu sind die kleinen Federfreunde. Aber je später es wird, desto mutiger wohl auch die Vögel.







Sie sitzen und trätterln, rattern, schwirlen, kreischen. Oder wie auch immer man ihre Rufe nennen willen. Ich bin längst beim Stegende angekommen und damit bei den Floßen. Die Flussseeschwalben zischen vorbei, haben Streit mit den Möwen und versuchen ihre kleinen Fische vor diesen zu verteidigen. Am Bodensee sind die Seeschwalben auch unterwegs, aber hier kommen sie mir heute ein bisschen näher vor. Ich stehe noch gut 20 Minuten bei der Rohrweihe. Dann beim Schwirl. Und irgendwann sagt eine Frau, die auch den Schwirl fotografiert: Irgendwann muss auch mal gut sein. Okay, denk ich und packe die Kamera weg. Nur um 3 Meter weiter das Blaukehlchen zu entdecken. Und endlich habe ich ein gutes Foto machen können.
Nachdem ich müde ins Bett gefallen bin und eine nur sehr kurze Nacht hatte, war um 04:30 Uhr wieder aufstehen angesagt. Ich traf L am Steganfang und wir liefen zur Bootshütte. Rein in das Kanu – wie lang war ich nicht Boot gefahren. Das Paddeln machte richtig Spaß. Der Sonnenaufgang sah lächerlich kitschig aus, aber schöner konnt’s nicht werden. Wir glitten mit dem Boot dahin, durch Seerosen hindurch, auf einem spiegelglatten See. Am Ufer fingen wir dann an zu zählen: Bartmeise um Bartmeise. Mir ging das Herz auf, weil es so viele waren.
Ein riesiger Fisch erschrak uns so sehr, dass wir kurz ins Wanken kamen. Ein Biber schwamm vorbei. Ein weiterer saß am Ufer und mümmelte sein Frühstück. Noch ein paar Meter weiter saß der dritte. Ich wusste gar nicht, wohin ich schauen sollte: Auf die Biber oder auf die Bartmeisen. Nach ca. 2 Stunden waren wir wieder fast zurück und uns überflogen sechs Weißbartseeschwalben. Sie riefen sogar. Was für ein cooles Erlebnis. Was für ein schöner Morgen.


