Nystølvarden [Norwegen]

Der Tag nach unserer kurzen Expedition im Jotunheimen National Park gestaltete sich wie eine kurze Irrfahrt. Wir düsten in den nächsten Ort, durch den dicken Nebel hindurch, kauften ein und fuhren dann auf die Mautsraße. In weiter Ferne sahen wir dann schon die Ziegen auf der Straße. Ich tuckelte hinter her. Von vorne kam plötzlich ein Auto angerast, bremste kurz vor den Ziegen und fuhr dann durch die Herde. Das Auto hielt an, eine Frau stieg aus und schrie die Ziegen an. Wir dachten zunächst, sie meinte uns. Sie schrie allerdings auf norwegisch und ignorierte uns komplett. Sie versuchte die Ziegenherde wieder zurück zu treiben. Verrückte Erfahrung.

Nach dem Schock standen wir dann auf einem Parkplatz im Nirgendwo. Es regnete und regnete und wir entschieden weiter zu fahren. Ganz umsonst Maut bezahlt. Aber die nächste Mautstraße wartete schon auf uns. Privatweg. Da weiß man nie was kommt. Augen zu und durch. Es hörte den gesamten Tag nicht mehr auf zu regnen, also verbrachten wir die meiste Zeit im Van.

Am nächsten Morgen ein wunderbarer Anblick: Sonnenschein! Schnell die Rucksäcke packen und los geht die Wanderung. Wenn wir hier schon auf dem Parkplatz standen, wollte ich auch was sehen. In diesem Teil zeigte sich der Herbst schon. Die Farben zwischen Gelb, Orange, Rot und Grün. Eine herrlich schöne Landschaft. Aber wieder keine Elche.

Wir liefen den Berg hinauf. Der Wind haute uns um die Ohren. Am See oben legten wir eine Minipause in der kleinen Hütte ein. Kurze Verschnaufpause von Wind und Nebel. Kurz mal durchatmen, sich ins Gästebuch eintragen und kurz auf die Landschaft schauen.

Dann ging es hinauf auf den Gipfel. Wind kann so, so anstrengend sein. Er ist erschöpfend, weil so laut und weil man gegen ihn anlaufen muss. Oben auf dem Gipfel sah man genau: nichts. Wie schon so oft in meinem Leben, war ich wieder mal auf einen Berg hinaufgelaufen und hatte die Aussicht verpasst. Dieses mal war mir das allerdings schon vorher klar. In der Vergangenheit kam das manchmal viel überraschender.

Auf dem Rückweg ereignete sich nicht viel. Kaum waren wir wieder ein paar Höhenmeter tiefer, lichtete sich der Nebel und wir hatten freie Sicht auf das Land. Weiter unten überraschte mich plötzlich ein wegfliegendes Hühnchen. Ich war gerade schon enttäuscht, als das zweite sich zeigte. Es schaute hinüber, lief hinter den nächsten Stein, schaute wieder hinüber. Womöglich habe ich hier zum ersten Mal Moorschneehühner gesehen.

Ansonsten war ornithologisch nicht so viel los. Es gab eine Menge Falken, aber das war’s auch schon. Zurück ging es dann erst durch einen kleinen Wald (ich liebe die mit Flechten und Moosen behangenen Bäume) und dann auf einem sehr unspektakulären breiten Weg zurück zum Auto. Otis wartete brav auf unsere Rückkehr.

5 replies to “Nystølvarden [Norwegen]

  1. Oh, trotz Regen so schön. Und ein Moorschneehuhn! Und diese Aussicht (der Sohn schwärmt auch immer noch).
    Liebe Grüße
    Nina

    PS
    Ich muss bei Dir noch durchschauen, aus irgendeinem Grund hatte ich mich mal verknickt und wunderte mich, dass ich so gar nichts mehr las von Dir
    Ups😉

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