La-Chapelle-en-Vercors [Auvergne-Rhône-Alpes, Frankreich]

In Frankreich brannten die Städte, Autos, Supermärkte, Schulen. Das ganze Land brannte. Dieses Mal war kein Waldbrand daran schuld. Die Menschen gingen auf die Straße. Wir waren auch in Frankreich, in den Voralpen auf einem Campingplatz. Noch vor wenigen Tagen sind wir durch die betroffenen Städte gefahren: Toulouse, Marseille. Von dem Vorfall und den Aufständen bekamen wir hier jetzt zum Glück nur durch die Nachrichten mit.

Nach einer dreimonatigen Reise sahen wir plötzlich wieder Menschen, die unsere Sprache sprechen und die wir kennen. M’s Eltern trafen uns auf dem Campingplatz im Vercors Gebirge. Eine Woche blieben wir hier, denn es war der ruhigste Platz, den wir auf unserer Reise hatten und es gibt so viel zu sehen. Nun fühlt es sich plötzlich wieder ganz nach Urlaub an.

Nachts rief der kleine Waldkauz irgendwo in den Bäumen sitzend. Ein Fuchs lief abends durch die gemähte Wiese hinter dem Platz. Kuhglocken bimmelten leise durch die ruhige Abendluft. Auf dem Campingplatz machten wir genau das, wozu wir Lust hatten: Minigolfen, kochen, Boule spielen, relaxen. In der weiteren Umgebung erkundeten wir einige Wanderwege, kleine Gipfel und schöne Aussichten.

La-Chapelle-en-Vercors ist ein kleines Städtchen mit einer sehr guten Infrastruktur. Es gibt einen kleinen Supermarkt, ein Schwimmbad, eine Schule, die Kirche, einen großen Markt am Donnerstag, gute Restaurants, Bäckereien, eine Autowerkstatt und Cafes. Man fragt sich wirklich wo das alles Platz findet, denn eigentlich erscheint der Ort so, als bestünde er nur aus einer einzigen Hauptstraße. Wir testeten selbstverständlich das Restaurant (sogar gleich zwei mal), bummelten über den Markt, bestaunten die Esel, die Kirche und aßen leckeren Kuchen im Cafe.

Auch in diesem kleinen Ort findet man schlimme Angriffe der Deutschen. Der Hof der Erschossenen erinnert daran. Im Juli 1944 erschossen die deutschen Soldaten 16 junge Männer und brannten etliche Häuser und Gebäude nieder. 573 Gebäude werden dabei zerstört. Die Gemeinde wird als „zerstört“ erklärt. 1948 beginnt der Wiederaufbau und 300 Höfe werden wieder in Stand gesetzt. Es ist schrecklich was damals dort passiert ist. Der Ort musste quasi wieder neu aufgebaut werden. Heute erinnern die Mahnmale, Gedenkstätten und Friedhöfe an diese Gräueltaten.

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