Klimaangst

Schlagzeilen über Schlagzeilen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut gelaunt die Menschen trotz all dieser Nachrichten sind. Waldbrände im Yosemite National Park. Wieder sind die 2000 Jahre alten Mammutbäume bedroht. Vor einigen Jahren habe ich sie noch umarmt und habe mich so klein gefühlt dabei. Hochgewachsen, riesig und so viel miterlebt. 2020 sind bereits 14 Prozent der Riesenmammutbäume gestorben.

Man muss allerdings gar nicht so weit auf der Weltkarte suchen, um den Finger auch auf unsere Brandwunden zu legen. Südeuropa steht in Flammen: Kroatien, Frankreich, Spanien, Italien. Eine massive Dürre und Hitze in diesen Ländern. Aber die paar Grad mehr. Ist doch auch mal ganz nett, wenn die Sonne scheint. Endlich mal ein richtiger Sommer. Hauptsache gutes Wetter in den Ferien am Mittelmeer. Muss man noch ausnutzen, bevor es da zu heiß wird.

Flutkatastrophen im letzten Jahr. Das bisschen Regen. Stürme und Sturmfluten an den Küsten. Manche Gebiete auch in Deutschland nicht mehr bewohnbar. Gletscherlawinen in den Bergen. „Wir haben den Kontakt zur Natur verloren.“ (R. Messner) Die Sorge bei den Menschen bisher relativ gering. Hauptsache mit dem Flieger fürs Wochenende zum Shoppen in die Türkei.

Die Zahlen der Hitzetoten sind in den letzten Jahren gestiegen. Aber vielleicht muss man sich einfach auf ein paar Grad mehr einstellen. Auf einen „richtigen“ Sommer, in dem die Wälder brennen und der Badesee nach einer Woche kippt. In dem Sommer, in dem es selbst für die Mücken zu warm ist, Leute in ihren eigenen Saunen im Dachgeschoss schwitzen und in dem das Trinkwasser knapp wird. Keiner mehr zur Arbeit fahren kann, wenn die Klimaanlage im Auto nicht schon vorgekühlt hat.

Kohlekraftwerke wieder ans Netz, damit der Winter nicht zu kalt wird. Alle Heizungen auf Stufe 5 und dabei aber die Fenster aufreißen, damit noch Luft reinkommt. Einen dicken Pulli anziehen, wäre eine lachhafte Idee. Jetzt wo ich den ganzen Sommer über für meine Bikinifigur trainiert habe, will ich die auch zeigen. Vielleicht haben wir Menschen verlernt in die Zukunft zu schauen. Immer nur die aktuellste Katastrophe/Krise kann beachtet werden.

Als Einzelperson kann ich sowieso nichts bezwecken. Soll der Nachbar doch erstmal seinen Porsche verkaufen. Warum auf Fleisch verzichten oder regional kaufen, wenn die andern weitermachen wie zuvor? Die Industrie muss handeln, ich selber gehe doch schon mit Jutebeutel einkaufen. Freitags schwänzen die Kinder die Schule – was soll denn aus denen werden? Bei uns damals hätte es das nicht gegeben. Es wurde doch auch schon zu meinen Schulzeiten immer wärmer.

Ich schreibe mich so in Rage und meine damit niemanden bestimmten. Woher soll ich wissen, was der richtige Weg ist? Zuschauen und nichts tun, fällt nur zunehmend schwerer. Der Kopf wird immer häufiger geschüttelt. Der Klimawandel steht vor der Tür, die Klimaangst drängelt sich vor. Und trotzdem kommen die dringend notwendigen Veränderungen nur in Zeitlupe, während sich die Erde in Normalzeit weiterdreht.

10 replies to “Klimaangst

  1. Da hast du dir alles von der Seele geschrieben, das hat sicher gut getan – aber es tut auch gut es zu lesen!
    Man fragt sich schon, wie es weitergehen soll, bzw. weitergehen wird.
    Ich frage mich, wie meine Enkelkinder leben werden. Jetzt sind sie erst zwei und vier Jahre alt, aber was wird die Zukunft für sie bereit halten?
    VG
    Christa

    Gefällt 3 Personen

    1. Liebe Christa, deine Sorge und Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Irgendwie gibt es keine Gewissheit mehr. Alles kann passieren und aktuell sehen die vorgestellten Szenarien nicht besonders gut aus. Ich hoffe aber weiter darauf, dass sich einiges positiv verändern wird. Da freue ich mich natürlich darüber, wenn man Gleichgesinnte trifft, die sich ebenfalls Gedanken machen. Viele Menschen verdrängen das Thema meines Erachtens – vielleicht aus Angst, vielleicht auch weil sie einfach egoistisch sind.
      Liebe Grüße
      Ines

      Gefällt 2 Personen

  2. Mich hat dein Text erstmal runtergezogen – auch wenn er einfach nur die aktuelle Lage wiedergibt und dein Unverständnis, die Ratlosigkeit und deine Wut. Mir geht es ähnlich, wenn ich Nachrichten lese. Und trotzdem habe ich mich über deinen Beitrag gefreut, weil er – glaube ich – ausspricht, was viele Menschen umtreibt. Gerade, weil sich die Welt beim Thema Klimakrise eigentlich schon nicht mehr Normalzeit dreht, sondern vielmehr rast.
    Auf dem Blog von Felicitas Sturm bin ich letztens auf einen ähnlichen Post gestoßen. Er endet in der Hoffnung. Was sonst haben wir denn auch?
    Das Gute ist, dass diese Hoffnung zumindest keine leere Hülle ist. Denn es gibt mutige Aktivist*innen, nicht nachlassendes Engagement, viele kleine Einzelbeiträge, Wahlen, immer wieder neue Ideen…
    Klar landet der Kopf immer wieder bei „das reicht nicht“, „das geht zu langsam“, bei der Angst und der Wut. Aber hoffentlich auch wieder bei der Hoffnung.

    Gefällt 1 Person

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