Nichts tun

Das wird ein ziemlich langweiliger Eintrag, denn es wird darum gehen, wie gut es tut mal nichts vorzuhaben. Nachdem ich wochenlang jeden Tag auf die Minute durchgetacktet hatte (um irgendwie meine Arbeit zu schaffen) und gleichzeitig ein bisschen was zu lernen (um mein schlechtes Gewissen zu beruhigen), ist seit gestern das passiert: Nichts.

Und plötzlich liege ich um 8 Uhr noch im Bett, frühstücke um 9 Uhr, spiele bis Mittags Brettspiele und komme zu Sachen, die ich vorher nicht mal auf dem Schirm hatte. Es ist toll, endlich wieder Zeit für Sachen zu haben die Spaß machen. Einen Blogeintrag zu schreiben, zum Beispiel. Einfach mal auf dem Balkon sitzen und nichts tun – nicht mal lesen. Plötzlich nehme ich so viel mehr wahr, als sonst. Wie groß meine Pflänzchen mittlerweile sind, dass die kleinen Bienchen fleißig an den Tomaten waren. Wie die Amseln den Olivenbaum ausgebuddelt haben und die Ameisen fleißig Erde abtransportieren.

Nichts tun ist aber nicht nur Spaß und Akkus aufladen. Nach langen Phasen von Stress bin ich meistens ganz schön schlecht darin, mal nichts zu tun und einfach die freie Zeit zu genießen. Dann mache ich unnötige Aufgaben, um mich beschäftigt zu halten. Sobald ich dann aber mal zur Ruhe komme und merke wie schön es ist auszuschlafen, auf dem Balkon zu sitzen und einfach nichts zu tun, außer umher zu schauen, kann ich meist gar nicht mehr damit aufhören.

Ab und an kommt dann jedoch das Gefühl, dass ich mit meiner freien Zeit so viele tolle Sachen anstellen sollte wie möglich. Und dann kommt die nächste Crux. Die freie Zeit ist zu wenig für all die schönen Dinge und vieles ist nicht miteinander kompatibel. Ausschlafen und gleichzeitig Fotos am frühen Morgen zu machen. Egal, wofür ich mich dann entscheide: Meist habe ich ein schlechtes Gewissen. Genau dann habe ich plötzlich das Gefühl, das meine Generation wohl nur zu gut kennt: Das Gefühl etwas zu verpassen.

Da heißt es dann in mich hineinzuhören. Nachzuforschen worauf ich wirklich Lust habe und was mir in dem Moment gut tut. Ich muss mich selber gut kennen. Aber um mich kennenzulernen hatte ich ja nun auch schon einige Zeit.

8 replies to “Nichts tun

  1. Vielen Dank für Deinen nachdenklichen Text. Ich hatte im Dezember bis April aufgrund des Lockown sehr viel Zeit zum Nichtstun. Und fand es so in der Masse eher anstrengend. Um überhaupt Perspektive an den ungefüllten Tagen zu haben, habe ich täglich gebloggt und ein „Lockdown-Tagebuch“ geführt. Ohne dieses Ventil wäre ich vermutlich depressiv geworden. Jetzt da der Alltag wieder normal wird merke ich das ich mir Zeiten fürs „Nixtun“ einplanen muss. Einfach nur zum Gedanken sortieren und wieder runter fahren.

    Gefällt 1 Person

    1. Das kann ich mir total gut vorstellen. Wenn auf einmal alles wegbricht und das für längere Zeiträume, kommt wohl jeder schnell an seine Grenzen.
      Bei deinem Tagebuch habe ich immer gern mitgelesen 🙂
      Ich hoffe du hast eine gute Balance zwischen mal nichts tun und Sachen zu tun haben!

      Gefällt mir

  2. Streng genommen ist es ja die Frage, ob es Nichtstun überhaupt gibt und ob die passive Wahrnehmung nicht auch eine Form des Handelns sein kann. Aber wollen wir nicht zu philosophisch werden… 🙂
    Viel zu viele Leute wissen nichts mit sich anzufangen und davon bist Du ja zum Glück weit entfernt.
    Falls Du mal ganz viel Zeit hast, schau doch mal in Deinen Mail- Spamordner, ob ich da mal gelandet bin.
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!

    Gefällt 1 Person

  3. So ähnlich gehts mir auch. Es gibt so viele Optionen, so viele Möglichkeiten, und egal, was ich angehe, habe ich das Gefühl, irgendwie an der falschen Baustelle zu sein. Das wird wohl so bleiben 🙂

    Gefällt 1 Person

Schreibe eine Antwort zu Fräulein Ines Klitzeklein Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star