Schimpftriade

Die Sonne hat sich schon lange nicht mehr blicken lassen. Es ist grau draußen. Es wird morgens nicht hell und nachmittags zu schnell stockdunkel. Die Tage ziehen sich und verpuffen gleichzeitig mit einem Fingerschnipsen. Ich bin erschöpft, ausgelaugt. Manchmal sitze ich abends da und habe ein paar Stunden Zeit, um etwas entspanntes zu machen. In diesen Momenten kann ich mich nicht aufraffen. Es ist zu anstrengend dann etwas nettes zu machen.

Noch vier Tage arbeiten. Drei Tage Klinik. In der jetzigen Situation gehe ich noch ungerner dorthin. Nicht wegen der Kollegen, aber wegen der vielen Kontakte und einer Person, die die Lage nicht ernst nimmt. Meine Tage sind gerade lang. Wochenendseminare. In der Woche von 8 Uhr bis 18 Uhr arbeiten und danach noch an den „freien Tagen“ Berichte schreiben. Das hängt alles im Hinterkopf, wenn ich abends auf dem Sofa sitze und eigentlich etwas nettes tun möchte.

Gerade erstelle ich mir einen Plan für die Urlaubstage, die dieses Jahr zu Hause verbracht werden. Entspannte Sachen, nette Sachen, ein bisschen Arbeit wird nicht ausbleiben. Mein Plan sieht gerade wie folgt aus:
Jeden Morgen gemütlich eine Tasse Tee trinken und eine halbe Stunde lernen;
an Heiligabend mit meiner Familie wandern gehen und abends draußen grillen oder auf dem Balkon Raclette machen (Weihnachten auf Abstand); viel lesen; die Wohnung putzen/ausmisten; Weihnachtsfilme schauen; backen; jeden Tag kurz spazieren gehen und ein bisschen Sport machen; das Blog weiter auf Vordermann bringen und vor allem Fotos machen.

Der letzte Punkt ist mir besonders wichtig. Viel zu lang ist es her, seit ich mal im hellen draußen war und Fotos machen konnte. Eins der letzten Fotos, die ich gemacht habe war dieses von der Krähe. Sie steht ein bisschen symbolisch für meine Laune gerade. Während sie da so vor mir auf dem Holzbalken landete, hatte sie sofort den Schnabel aufgerissen. Sie schimpfte ohne Luft zu holen. Während ich da stand und zur Ruhe kam – es war ausgenommen der schimpfenden Krähe sehr still – wandelte sich der Klang. Vielleicht hatte ich den Ton falsch interpretiert. Vielleicht machte sie gar nicht ihrem Frust Platz, vielleicht lachte sie auch lauthals.

6 replies to “Schimpftriade

  1. Zu recht! Jetzt habe ich im Brotberuf als Taxifahrer schon so wenige Kunden und muss trotzdem jeden Tag mindestens mit einem Fahrgast über Abstand und Maskenpflicht im Fahrzeug diskutieren. Diejenigen, die ich an die Maske erinnern muss nicht mitgezählt! Es ermüdet! Gott sei Dank muss ich nicht noch über jede Fahrt einen Bericht schreiben! Dir trotzdem einen schönen 3. Advent!

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    1. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend und schwierig die Zeiten für euch gerade sein müssen. Es gibt so viele Berufe, mit denen man gerade nicht tauschen mag, weil die Leute so ignorant sind.

      Ich hoffe, du hast noch eine schöne Weihnachtszeit!

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  2. Was mich immer wieder erstaunt ist, daß es gerade im medizinischen Bereich offenbar keine einheitlichen Regelungen gibt. Bin gerade so ein wenig auf Ärztetournee und kann vergleichen. Man nimmt’s halt so hin.

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