Projekt VIII [August]

Im letzten Monat hatte ich mir das Projekt ganz schön leicht gemacht. Diesen Monat, wollte ich mich selber ein wenig herausfordern. Während ich also in Kanada bei einer Cinnamon Roll saß und der Zucker wenig später in meinem Körper ankam, wusste ich ziemlich bald, was das neue Projekt werden sollte.

projektIn Nordamerika ist entweder alles sehr, sehr süß oder sehr, sehr fettig. Da ich eher zu süßen Dingen tendiere, war mir meine Achillessehne in diesem Fall schnell bewusst. Es ist der Zucker. Deswegen war klar, ich wollte 31 Tage lang eines versuchen: Auf maschinell erstellten Zucker verzichten. Das wirklich coole war, dass ich von meinem Projekt in der Arbeit erzählte und meine Lieblingskollegin direkt mit einstieg. Wir pushten uns also gegenseitig durch den Monat.

Tja, was soll ich sagen. Die erste Woche war der Horror für mich. Ich musste auf mein Haselnusscreme-Frühstücksbrot verzichten und abends auf meinen Kakao. Die Süßigkeiten in der Arbeit durften nicht angerührt werden. Nichts, was man zwischendurch mal snacken konnten. Kein Kuchen! Ich glaube, alle die mich in der ersten Augustwoche erlebten, möchten nichts mehr mit mir zu tun haben. Ich war unausstehlich, ich war fies, ich war grantig und vor allem so unzufrieden. Auch N fragte, während ich beim Sport ständig Seitenhiebe austeilte, was heute eigentlich mit mir los sei. Heute, habe ich gedacht, hahaha.

Ausnahmen machte ich dann doch. Bei der Hochzeit (Candy-Bar), Geburtstagskuchen (zwei im August!) und beim selbstgebackenden Kuchen (miniminimini Stück) konnte ich nicht nein sagen. Aber es gab Situationen, wo ich dieser Zuckersucht mit erhobenem Haupt den Mittelfinger zeigte (z.B. beim Polterabend). Darauf bin ich wirklich stolz.

Was habe ich gelernt? Es heißt immer, wenn man den Punkt des Entzugs geschafft hat, ist es ein leichtes. Ich kann euch sagen: Nein, ist es nicht oder ich habe den Punkt noch nicht erreicht. Selbstverständlich bin ich irgendwie stärker dafür geworden, mir nicht mehr jeden Mittag nach dem Essen ein Kinderriegel zu gönnen. Oder abends vorm Fernseher doch nochmal zur Tafel Schokolade zu greifen. Ich gehe auch selbstverständlicher an Kuchen beim Bäcker vorbei, schaue mir diese aber immer noch sehnsüchtig an. Ich achte mehr darauf, wo eigentlich überall Zucker drin ist. Und das kann ich euch sagen, Kinder, es ist überall drin. Den ganzen August habe ich nach Alternativen gesucht. Agavendicksaft, Naturjogurt, Milch mit Honig.

Was mich aber positiv überrascht hat, ist, dass ich eigentlich nie unterzuckert war. Sonst hatte ich das oft im Urlaub oder auf weiten Strecken, dass ich angefangen habe zu zittern und dann eine Banane essen musste. Allerdings konnte der Unterzuckerungspunkt auch kaum eintreffen, weil ich ständig nur am Essen war – ich hatte einfach durchgehend Hunger. Immer. Ich wurde nicht satt.

„Es lohnt sich, du fühlst dich richtig gut. Was das mit deinem Körper macht!“ Nee, Leute. Ich merke nichts. Ich bin weder fitter, noch wacher, noch fühle ich mich irgendwie konzentrierter oder gesünder. Das Einzige ist, dass mir Schokolade jetzt zu süß ist und ich lieber auf Obst zurückgreife. Aber müsste ich nach 4 Wochen nicht einen positiveren Effekt merken?

geschenkGeschenke an mich selbst. Jetzt wo die Durchhalteprobe vorbei ist, musste ich erst einmal schauen, was ich im August so für mich getan habe. Ganz eindeutig ist es wieder einmal Zeit gewesen. Zeit nehmen, die ich dann mit Lesen verbracht habe. Oder in der Hängematte oder draußen in der Natur. Ich habe mir Sonnenblumen vom Feld stibitzt. Vor allem aber bin ich ganz oft an meine Lieblingsspots gefahren, rund um meine Heimatstadt und habe mir den Sonnenuntergang angeschaut. Manchmal in Begleitung, manchmal alleine. Es war immer zauberhaft.

8 replies to “Projekt VIII [August]

  1. Fruchtzucker ist nicht zwingend besser, eine Freundin von mir meinte voll happy zu sein, weil sie in ihrer Schwangerschaft keine Lust auf Schoki hat/hatte. Trotzdem Schwangerschaftsdiabetes bekommen, weil sie sooo viel Obst gegessen hatte. 🙈
    Dennoch eine Leistung, definitiv!!
    Durch meine PCOS-Geschichte müsste ich eigentlich ja auch auf sowas achten, anfangs hab ich das auch wirklich lange getan und es ist nicht einfach, so nach ungefähr sechs Wochen wurde Normalität daraus. Inzwischen nasche ich aber schon gerne wieder … Du hast mir aber einen Anstoß gegeben, dass ich mich vielleicht lieber wieder daran halten sollte, größtenteils zumindest. Sich aber mal was zu gönnen ist auch okay, vor allem bei so schönen Anlässen wie Geburtstag und Hochzeit 🙂
    Kannst stolz auf dich sein!
    Hab ein schönes Wochenende!

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    1. Schwangerschaftsdiabetes geht ja wahrlich auch viel schneller. Deswegen gibt’s das ja auch als quasi eigenständige Diagnose.
      Also ich hätte auf Fruchtzucker nicht verzichten können, weil ich sonst dauerhaft unterzuckert gewesen wäre :/ Bei mir geht das mit der Unterzuckerung immer ziemlich schnell – vielleicht bewege ich mich zu viel 😀

      Sich mal was zu gönnen, da bin ich ganz bei dir, das muss sein! Allerdings wäre es glaube ich weniger etwas gönnen, wenn man eh schon die ganze Zeit darauf verzichtet. Wenn ich jetzt etwas süßes esse, ist mir das meist zu süß 😛 Also ich merke schon eine Veränderung, hätte aber wie gesagt gedacht, dass ich mehr Effekt merke im Bereich Gesundheit. Aber ich bin auf jeden Fall stolz, dass ich das geschafft habe, denn das war echt hart. 🙂 Deswegen Hut ab, wenn du das demnächst wieder in Angriff nimmst.

      Einen schönen Sonntag dir! ❤

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      1. Natürlich, da bin ich auch voll und ganz bei dir. Fruchtzucker ist dennoch nicht die beste Alternative, auch in Bezug auf Zahnmedizin. Im Endeffekt ist es wie bei allem: „Die Menge macht das Gift“.

        Das mit dem veränderten Geschmack (so nenne ich es mal) ist schon faszinierend. Ganz plumpes Beispiel, aber ich kann zum Beispiel kein Ketchup mehr essen. Hab ich zuvor auch seeeehr selten, aber nun esse ich meine Pommes lieber blank.
        Und ich denke, dass da im Körper schon was am Laufen war, man es vermutlich nur noch nicht offensichtlich bemerkt hat. Das er sozusagen noch in der Umstellungsphase war.
        Da bei mir die „Krankheit“ schon präsent ist, bin ich so frei zu behaupten, dass da gewisse Dinge leichter gehen. Vor allem möchte ich meinen Körper und auch meiner Psyche Normalität schaffen und dadurch kann ich mich vermutlich leichter mit sowas anfreunden. Auch beim Abnehmen, die Umstellung des Essens war für mich weniger schlimm, als für meine Freundin. Sie hatte immer im Kopf sie möchte abnehmen und fand zweihundert Gramm deprimierend. Ich hatte im Kopf ich möchte gesund werden und hat mich über jedes Gramm gefreut, da es ein Schritt Richtung Normalität war.
        Ich weiß es nicht, ich mutmaße schon wieder am Morgen und sollte wohl besser mal arbeiten 😀
        Ich wünsche dir einen wunderbaren Tag! ❤

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      2. Das kann ich total nachvollziehen. Ketchup ist auch super süß und schmeckt meistens so künstlich. :/
        Ich finde es super, dass du so auf dich achtest und dann auch wirklich schaust, was dir gut tut und nicht gezwungen zu gucken, das du abnimmst oder ähnliches 🙂
        Hab ein schönes Wochenende! ❤

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  2. Ich sag ja immer alles in Maßen..von daher hab ich bislang nicht komplett auf Zuckerzeug verzichtet, aber ist inzwischen schon weniger und dass mir manche (Fertig)Sachen dann zu süß sind, ist mir auch schon aufgefallen. Allerdings ist mein Stoffwechsel ähnlich wie deiner..ich esse gefühlt eh schon ständig und bekomme auch schnell wieder Hunger..das auf einem normalen Level zu halten ohne mal einen Müsliriegel oder sowas zwischendurch, wo ja meist auch viel Zucker dran ist, find ich dann eben schwierig. Und um alle Snacks usw selber zu machen und darüber dann eben die Zuckerart oder Menge zu bestimmen braucht man halt auch wieder Zeit.

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    1. Hach, da sind wir wohl wieder Schwester im Geiste: Immer was zwischendurch snacken müssen 🙂
      Zum selber machen fehlt mir auch eindeutig die Zeit – was wirklich schade ist, weil ich denke, dass es auch sehr viel Spaß machen kann, wenn man sein Essen selbst herstellt.
      Schönes Wochenende dir! ❤

      Gefällt 1 Person

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