Das Lied der Stille (Mallorca Tag 12)

Wandern im Weingebiet

Der erste Tag im neuen Jahr startete mit Sonnenschein. Wie könnte es besser sein? Nach einem etwas verspäteten Frühstück saßen wir wieder mal im Auto. Ein letztes Mal. Auf einer uns bekannten, sehr kurvigen Straße hinauf. Ein letztes Mal wehmütig die Abgründe, die engen Kurven und die weite der Insel aufnehmen.

Vorbei am Kloster Lluc parkten wir dann mitten im Nirgendwo im Halteverbot. Direkt vor einem riesigen Tor, das zu einem Weingut führte. Durch eine kleine Öffnung im Zaun schlüpften wir dann auf unseren Wanderweg. Eigentlich eine ganz ruhige, angenehme Route, dachten wir. Denn erst einmal ging es auf einem breiten Weg verschlungen bergab. Vorbei am Lagerhaus des Weinguts, vorbei an einem riesigen Weinberg. Im Hintergrund die Berge. Es sah beinahe mystisch aus. Überall klingelten die Schafsglocken. Hier und da tauchten sie auf.

M12.3
Gemalte Traumlandschaft.

Wir folgten dem Weg über einen weiteren Zaun hinweg und blieben staunend stehen. So einen großen, dicken Olivenbaum hatten wir noch nie gesehen: Bezaubernd. Nach dem wir genug gestaunt hatten, kam der Schock. Das Schild wies uns darauf hin, dass wir, sobald wir die Schlucht betreten hatten, keinen Weg zurück hatten. In den letzten Jahren waren hier wohl etliche Todesfälle geschehen. Schlucht nur betreten als sehr erfahrener Kletterer, mit passender Ausrüstung. An meinem Rucksack baumelten lediglich die passenden Schuhe.

Abschrecken ließen wir uns dennoch nicht. Wir wollten ja auch gar nicht in die Todesschlucht. Wir wollten einfach nur diesem Weg folgen. Das taten wir auch. An Olivenbäumchen vorbei, immer stetig bergauf. Neben uns die Berge, ab und an ein Blick aufs Meer. Verloren irgendwo im Paradies. An einem Stausee vorbei, an dem wir ein paar kleine Kröten entdeckten. Das Wasser war so ruhig, wie eine Scheibe Glas.

Der Pass des Windes

Der Pass des Windes wurde passiert. Als wir durch die breite Felsspalte liefen, verschwand die Sonne hinter den hohen Bergen. Umso geblendeter waren wir, als wir auf der anderen Seite oben ankamen. Augen zugekniffen, Mund offen vor Staunen. Hier oben herrschte die absolute Stille. Sie klang in den Ohren wie ein Lied. Hier oben hatte man den besten Ausblick weit und breit.

Da natürlich auch der ein oder andere Berg lockte, zogen wir die Kletterschuhe an und legten los. Schon bald verlor ich meinen Bruder aus den Augen. Schon bald erklomm ich die Spitze eines Berges, der wie geschaffen war, zum Verweilen. Strahlend blauer Himmel, ein Ausblick so phänomenal, die Stille die einen einhüllte, die Berge, die noch warteten: Mein Kletterherz schlug mir bis zum Hals vor Freude. Und ich konnte keine Fotos machen, die Eindrücke nur für mich ganz alleine sammeln.

M12.1M12

Genug herum gesprungen, genug die Hände kaputt gemacht. Irgendwann musste der Rückweg angetreten werden. Und so liefen wir mit schweren Beinen den ganzen weiten Weg zurück. Eigentlich mit dem Vorhaben noch einmal zumindest den Eingang der Schlucht zu begutachten: Leider war das eine Fehlanzeige. Alle Wege verliefen sich im Unterholz. Schade drum. Ich hätte gerne gesehen, was dieser so gefährliche Weg zu bieten hat – nur um eine Vorstellung dieses Nervenkitzels zu bekommen.

Liebe

x Irgendwo zwischen zwei Welten wandern gehen.
x Mit etwas Glück seltene Tiere sehen.
x Klettern. Ganz frei.
x Einsamkeit genießen, hoch oben auf dem Berg.

2 replies to “Das Lied der Stille (Mallorca Tag 12)

  1. Wenn Du Eure Wanderungen so beschreibst, dann hört sich das für mich oft so an, als wenn ihr häufig spontan entschieden habt, welche Wege Ihr benutzt, wohin, es gehen soll. Dazu müsste man doch eigentlich aber sehr gutes Kartenmaterial haben. Denn sonst ist es doch von vorn herein sehr ungewiss und im Zweifel risikoreich, vor allem in fremdem, felsigem Gebiet.

    Auf meinen Wanderungen früher, war ich nur auf als solche markierten Wanderwegen unterwegs, die auch auf entsprechenden Karten ausgewiesen waren. – Und selbst damit haben wir uns bisweilen verlaufen …

    Liebe Grüße, Ines!

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    1. Das stimmt schon irgendwie. Wir haben meist morgens kurzerhand entschlossen, wohin es geht. Meist mehr nach Befinden und Wetterlage. Kartenmaterial hatten wir reichlich dabei – manchmal mehr und manchmal weniger gut beschrieben.
      Daher kann ich gut verstehen, dass man sich trotzdem das ein oder andere mal verläuft. Teilweise gibt es Wege nicht mehr oder Abzweigungen werden verpasst. Irgendwas kommt immer mal dazwischen. (:

      Liebste Grüße!

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