Verlorene Tiere

Vogelfrei. Das ist der Wunsch vieler Mensch. Fliegen zu können. Den Alltagssituationen zu entfliehen. Den Kopf frei haben. Sich nur darum kümmern zu müssen, dass man etwas zu essen hat. Sich nicht in unnötige Gespräche verheddern. Keine sozialen Normen einhalten müssen. Der Gesellschaft nicht gefallen müssen. Nicht angepasst sein. Einfach wie ein Zugvogel ins Warme reisen.

Aktuell sind wieder etliche Vögel in ihre Winterquartiere unterwegs. Millionen Vögel ziehen im Herbst der Wärme hinterher. Und etliche der Vögel sterben auf diesem Weg. Wir Menschen sind daran schuld. Einerseits finden die Zugvögel keine geeigneten Rastplätze mehr, andererseits gibt es häufig Zusammenstöße mit Hindernissen. Nahrungsmangel, Wetterextreme, Lichtverschmutzung. Und dann gibt es immer noch die Bejagung. Wegen der Federn, wegen des Fleischs. Da kann der Vogel noch so klein sein, irgendwo gilt er sicher als Delikatesse.

Im Grunde ist der Vogel nur ein Beispiel. Vor 2 Jahren war ich im Rothaargebirge und habe nach Wisenten Ausschau gehalten. Hier wurden die Tiere wieder ausgewildert, sollten frei leben. Doch was passierte? Waldbauern beschwerten sich und das Projekt scheiterte. In Deutschland gibt es keine freilebenden Wisente mehr. Mal wieder.

Weitere Beispiele: Der Biber. Weil er so baut und Wasser staut, wie er das gerne hätte, weil er Bäume fällt und Felder überschwemmt, muss er natürlich weg.
Der Wolf. Klaut die Schafe von der Weide und die Kinder aus den Betten.
Der Bär. Im 19. Jahrhundert durch gezielte Jagd ausgerottet. Angst vor dem Tier, kein Lebensraum mehr da. Weg mit ihm.

Ich frage mich oft, in was für einer Welt, in was für einem Land ich leben möchte. Da, wo Tiere keinen Raum mehr finden? Keinen Raum mehr haben dürfen. In meiner Ideal-Wunsch-Utopie-Vorstellung leben Tiere in den Wäldern. Ist die Landschaft nicht so zugepflastert. Kann man morgens den Biber in der Aue beobachten und abends das Wisent im Sonnenuntergang. Ich sehe ein, dass Deutschland dafür wahrscheinlich zu wenig Fläche hat. Aber ich sehe nicht ein, warum der Mensch mehr wert ist als das Tier und sich so ausbreiten darf.

2 replies to “Verlorene Tiere”

  1. Kormoranen, Krähen, Graureihern, Wölfen, Luchsen, Wildgänsen, Staren, Braunbären gefällt diese Sicht sehr…(die Liste der Arten wäre deutlich verlängerbar).
    Und mir auch.

    Like

Kommentar verfassen

close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star