Leute verlieren. Im Spiel und im Leben. Gegen sich selbst und gegen andere. Leute gehen verloren. Physisch oder psychisch oder beides. Leute verlieren Dinge, sie verlieren Menschen, sie verlieren Erinnerungen. Sie verlieren die Hoffnung, das Glück, die Freude, den Verstand. Als Mensch kannst du viele Dinge verlieren oder verloren gehen.
Jemanden durch den Tod zu verlieren kann in tiefe Trauer stürzen lassen. Jemanden zu verlieren, während er noch lebt, einfach nur, weil er sich verändert und verändert und verändert und man die Person nicht wiedererkennt, das kann Trauer, Wut und Ohnmacht auslösen. Und dann kann man entscheiden, dass es die Energie nicht wert ist. Das diese Person sich entschieden hat, dir verloren zu gehen. Das ist ihr gutes Recht. Es ist auch dein gutes Recht, sich für dich zu entscheiden. Dich selbst nicht zu verlieren, sondern dich sogar neu wiederzufinden.
Vor zweikommafünf Jahren habe ich eine mir damals sehr wichtige Person verloren. Nun war ich in einem Urlaub, in dem mich alles an diese Person erinnert hat. Das Campen, das Birden, das Fotografieren. Zuerst hat mich das sehr, sehr traurig gemacht – weil ich das alles nicht mehr mit dieser Person erleben kann. Dann war ich wütend – weil ich nicht nur diese Person verloren habe, sondern auch schlecht behandelt wurde. Von ihm und von mir. Ich bin aus dem Urlaub wieder gekommen und habe gemerkt: Ich kenne diese Person nicht mehr. Und vor zwei Jahren hat mir das Angst gemacht. Es hat mich traurig gemacht. Aber jetzt, in diesem Moment, ist es auch befreiend. Wir haben keine Gemeinsamkeiten mehr, nachdem wir für eine lange Zeit alles geteilt hatten. Eine gekappte Verbindung. Jemand, den ich vom Sehen kenne. Kannte ich mal. Habe ich verloren. Oder abgegeben.
