Elektro

Seit ich mit Y im Tessin beim Bouldern Schrotthagen gehört habe, lass ich mich auch gerne mal von Elektro berieseln. Aber dieser Beitrag soll sich auf etwas ganz anderes elektrisches beziehen. Seit fast genau einem Monat fahre ich nämlich jetzt auch Elektro. Nee kein E-Bike oder E-Roller, sondern E-Auto. Am Wochenende war ich mal wieder mit Otis unterwegs und habe mich gefragt, ob bei ihm alles okay ist, denn – meine Güte! – ist der laut.

Mitte Januar wurde mir mein Auto geliefert. Ja, richtig gelesen. Ich habe es mir bestellt und nutze es gerade über eine Langzeitmiete. Da fuhr also ein armer Knopf dieses Auto von der Nordsee bis nach Konstanz. Alle 150 km 30 Min. laden. Er war ewig unterwegs. Anfangs alles ziemlich aufregend. Ich machte mich verrückt, wie ich das Ding eigentlich laden konnte/sollte/musste.

Mittlerweile hat sich eine Routine eingestellt. Ich plane Spaziergänge oder Einkäufe in Kombination mit dem Schnellladen ein. Jetzt im Winter, bei den Minusgraden hatte die Batterie schon ordentlich zu kämpfen und ich musste nach dem Einkauf noch telefonieren oder ein Buch lesen, denn die Ladegeschwindigkeit war natürlich auch nicht die schnellste. Aber gerade habe ich das in meinen Alltag integriert und eingebaut.
Handy laden und/oder Gebläse im Auto anmachen sind purer Luxus und werden von mir nicht gerne gesehen. Kostet alles Akku und dann muss ich schneller wieder laden.

Was eingangs schon erwähnt wurde und total anders ist: Die Geräuschkulisse. Wenn dieser kleine Miniflitzer gestartet wird, hört man eigentlich nicht, das er an ist. Und so kam es auch schon oft vor, dass ich ausgestiegen bin, Sachen aus dem Kofferraum holen wollte und das Auto wie wild gepiept hat, weil ich es nicht abgestellt habe. Außerdem überhören Fußgänger:innen und Fahrradfahrer:innen häufig, dass ich hinter ihnen bin. Würde mir bei meinem Bus nie passieren. Das Fahrgefühl ist aber überragend, das muss man einfach sagen. Entspannter Automatikmodus, ruhig und geschmeidig.

Auf der Autobahn reihen sich häufig die anderen E-Autos in einer Kolonne zusammen. Ich muss sagen, ich bin immer froh, wenn ich jemanden vor mir habe, der auch so „langsam“ fährt. Batterieschonend lautet hier das Motto. Außerdem sehe ich mittlerweile überall E-Autos. Man achtet doch einfach plötzlich mehr darauf.

Was diese neueren Autos ja auch alle haben: Spurhaltesystem, Aufmerksamkeitsüberprüfung des Fahrers und Straßenschildererkennung. Mit all dem komm ich mäßig zurecht, aber ich habe mich mittlerweile gewöhnt. Das Spurhaltesystem hat mich anfangs vor allen in den Kurven irritiert. Heute erst hat der gute angefangen wie wild zu piepen, weil ich in der Baustelle über jegliche Markierungen gefahren bin. Außerdem beschwert er sich immer, wenn ich meinen Arm am oberen Teil des Lenkrads habe, weil er mein Gesicht dann nicht mehr sieht und nicht erkennen kann, ob ich noch aufmerksam oder schon eingeschlafen bin. Wenn die Kamera vorn eingefroren ist (und das kam jetzt öfter vor), gab’s wilde Warnmeldungen in alle Richtungen. Die Straßenschilder erkennt er eigentlich sehr zuverlässig. Allerdings fuhr neulich eine Landwirtschaftsmaschine vor mir, die nur 30 km/h fahren konnte und dementsprechend den Aufkleber hinten drauf hatte. Mein Auto nahm das als Geschwindigkeitsbegrenzung und motzte sehr rum, als die Maschine abbog und ich auf 70 km/h beschleunigte. Er hatte ja schließlich keine Aufhebung erkannt.

Vier Wochen Elektroauto und was jetzt als nächstes ansteht ist auf jeden Fall erstmal eine gründliche Wäsche. Salzstreuung und Waldweg haben den kleinen ganz schön verunstaltet. Es sei ihm gegönnt. Vielleicht hör ich in der Waschanlage dann auch ein bisschen Elektro.

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