Wenn ich Besuch habe, fahre ich gerne mit ihm in die Schweiz. In die Berge. Irgendwo dahin, wo es schön ist. Am See ist es zwar auch schön, aber es gibt keine Berge. Bei der Wanderung zum Gräppelensee ist man auch nicht auf dem Berg, aber irgendwie doch in den Bergen.
Wenn ich Besuch aus dem „Norden“ habe, merke ich immer wieder, wie gewohnt mir die Berge mittlerweile sind. Ich lieb’s und ich kann mich Stunden dort aufhalten. Aber für Menschen, die die Berge nicht vor der Haustüre haben, ist es glaube ich noch einmal ein kleinen Funken magischer.
Von Laui aus gibt es eine gemütliche Wanderung zum See. Da sieht man erstmal den Säntis (ist gar nicht so hoch) und den Altmann. Und eigentlich will ich jetzt direkt hinauf. Eigentlich will ich auch jetzt direkt in den See springen, aber er ist eisig kalt. Ich beobachte bewundernd einen Radfahrer, der sich für 10 Sekunden im See abkühlt.
Was ich auch bewundere: Trollblümchen, Fingerwurz und Knöterich. Ich weiß gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Auf all die Blumen, auf die kleinen Kaulquappen (wie lange habe ich keine Kaulquappen mehr gesehen!), auf die Berge, die Kühe, den strahlenden Himmel? Deswegen huscht mein Blick von einem zum anderen, bis ich mich zusammenreiße und Achtsamkeit walten lasse. Es ist doch Zeit. Nur weil die Parkuhr in meiner EasyPark-App runterzählt, heißt das doch nicht, dass ich mich beeilen muss.
Beeilen ist sowieso nicht. Meine Eltern bleiben überall stehen und genießen, machen Fotos und staunen. Mich freut’s, dass es ihnen gefällt. Es ist auch wirklich wunderschön. Manchmal bin ich schon ein bisschen weiter vorn und bleibe bewusst stehen. Sage der Kuh hallo und blicke dem Rotmilan direkt ins Auge.
Vom See wieder hinunter geht’s durch einen schönen schattigen Serpentinenweg. Unten angekommen sind sie auf einmal da. Die sieben Churfürsten. Niemals an einem Tag, denke ich mir. Niemals. Vielleicht an zwei, aber dafür muss ich so, so viel trainieren. Und ich finde doch gerade erst wieder zurück. Muss mich ja nicht wieder direkt kaputt machen, nur um mir etwas zu beweisen. Es geht doch nämlich immer nur darum sich selbst etwas zu beweisen. Wenn jemand bewundernd sagt „krass, du hast die sieben Fürsten gemacht“, kann ich mir davon nämlich auch nichts kaufen.
Deswegen ist mein Resultat: Ich muss mich lieb haben. Mich selbst besser kennenlernen. Eigentlich ist das das Ergebnis aus den letzten Wochen. Und ich erkenne es immer wieder. Ich darf mir selbst genug sein.




