Ich drehe mich im Schlafsack um. Es raschelt. Schaue aus dem Dachlukenfenster und merke, dass es heute keinen Sonnenschein geben wird. Zumindest nicht jetzt. Es ist kühl, ich schiebe meine Hand unter den Schlafsack und auf den warmen Brustkorb neben mir. Standheizung läuft an. Einen Tee gibt’s auch noch obendrauf. Bleibe liegen solange es geht.
Erst gegen 10 Uhr können wir die Sonne erahnen. Die Wolkendecke wird aufreißen. M³ wird nervös, will an den Fels. Ma wird immer langsamer, ist noch nicht richtig wach. Der Parkplatz ist recht leer, am Wasser waren wir jetzt doch nicht mehr. Dafür ruft der Fels dann doch zu laut. Im Blattiswald kommt dann tatsächlich die Sonne raus. Crash Pads aufschnallen, Essen einpacken, losspazieren.
Irgendwie sind wir alle etwas angespannt. Vor allem ich. Weil ich den Boulder auch nach dem 10. Versuch nicht hinbekomme und weil es in letzter Zeit doch vielleicht etwas viel war alles. Zu viel Arbeit, zu viel Zeitdruck. Und ich bekomm den Kopf nur langsam frei. M³ ist angespannt, weil sein Körper nach dem Kranksein noch nicht wieder richtig fit ist. Nur Ma ist nicht aus der Ruhe zu bringen. Ziehe die Schuhe wieder an. Gehe nochmal rein in den Boulder. Mache wieder alles anders, als die Male zuvor. Kann mir die Beta nicht merken. Finde keine Beta. Immer wieder andere Züge. Werde müde und dadurch unkonzentriert. Jetzt kommt die kritische Phase. Obwohl die Jungs mich versuchen zu motivieren, bin ich raus. Ich kenne mich. Wenn ich jetzt in die Boulder reingehe, zerreißt es mich. Bin unaufmerksam und die Verletzungsgefahr dadurch zu hoch.
Also schau ich den beiden noch etwas zu. Nachdem die Sonne hinter den Bäumen verschwunden ist, wird es kühl. Die Füße, die Finger, alles beginnt zu frieren. Versinke immer weiter in M³s Jacke. Schaue den Fels hinauf. Bin in Gedanken. Als wir den Weg zurück zum Bus laufen ist die Sonne wieder da. Muss noch kurz die Hofkatzen streicheln, muss noch kurz die Aussicht genießen, muss noch kurz Sonne tanken und muss noch kurz Tee trinken, muss mich kurz noch in den Arm nehmen lassen. Erst dann kann ich die Heimfahrt antreten. Will noch nicht gehen. Will bleiben und alles andere vergessen.
09.02.2025


Ich finde es gesund, verantwortungsbewusst und richtig, seine eigenen Grenzen zu kennen und zu akzeptieren. Alles richtig gemacht, Frau Klitzeklein. 😉
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Danke! 🙂 Ich finde es total wichtig da auf seinen Körper zu hören, nur ich kenne den schließlich 😉
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Recht hast du. Manche kriegen das ihr ganzes Leben lang nicht hin.
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