Nebelmorgen

Ein Frühlingsmorgen am Bodensee. Bei Sonnenschein losgefahren und zweihundert Meter später von dickem Nebel eingehüllt. Morgens hält es mich bei Sonnenschein nicht im Haus. Schon gar nicht im Bett. Ich reiße die Fenster auf, höre die Vögel singen. Sehe, dass der Rotschwanz wieder zurück ist und abends die Fledermäuse kreisen. Da muss ich raus. Schauen und staunen.

Die Blüten der Bäume hängen schwer an den Ästen und der Duft liegt schwer in der Luft. Vom Honiggeruch benebelt, versuche ich heraus zu hören, welche Vögel dort singen. Das Fernglas ist bei diesem Nebel zwecklos und fast wäre ich verärgert darüber gewesen, dass ich losgefahren bin. Keinen Vogel werde ich vor die Linse kriegen, kein Motiv finden. Doch dann glitzert nach der nächsten Ecke eine Wiese im Nebeltau.

Der Nebel schiebt sich vor mich her. Ich schiebe mich hinterher. Mit etwas Geduld und ein wenig Schlenderei, verzieht er sich dann doch tatsächlich. Die Sonne ist stark genug. Das Schilf wird von Grau zu hellbraun. Der Kopf der Kolbenenten leuchtet im Morgen. Jetzt ist die Sonne wach, jetzt bin ich wach, jetzt sind die Vögel wach.

Hauptsächlich bin ich wegen der Rohrammer hier. Dass ich die Beutelmeisen noch einmal zu Gesicht bekommen werde, ist unwahrscheinlich. Die Ammern allerdings lassen sich auch erstmal nur durchs Fernglas erspähen. Doch wer reglos ist und Zeit hat, der wird belohnt. Sie balzen vor mir in der Luft, landen im Schilf, sind aufgeregt. Auch die Krickente schaut skeptisch. Den Eisvogel kann ich mit meiner Sehhilfe auch erkennen. Während sich die Kolbenenteriche streiten, testet eine Blaumeisen jeden einzelnen Nistkasten an und der Buchfink ist auf Futtersuche. Es piept und zwitschert doch mehr, als zu Beginn gedacht.

8 replies to “Nebelmorgen

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