Als ich am Freitag meine alten Blogeinträge durchscrollte, musste ich lächeln. Im Oktober 2022 hatte ich noch Urlaub gemacht in Konstanz und nichts davon geahnt, dass ich ein Jahr später schon zwei Monate hier wohnen würde. Wenn man hier wohnt, sollte man sich auch mal andere Dinge anschauen, als immer nur den Touristenkram.
Logbucheintrag: Samstag
Seit dem wir beim NABU-Stammstich waren, warte ich auf’s Loslegen. Da bin ich ganz ungeduldig, der Stammtisch war nämlich erst am 22. Februar. Gestern ging es dann aber los. Sehr früh los. Um 6:45 Uhr standen wir parat am Treffpunkt, um Spechte zu kartieren.
Eigentlich gibt es ja gar nicht so viele Spechtarten, aber dennoch fällt es zu Beginn vielleicht etwas schwer, die Arten zu unterscheiden. Vor allem wenn sie nicht rufen und nur trommeln. Vor allem wenn es neblig ist und man selbst kein Fernglas hat. Aber auch die Spechte fanden den Nebel nicht so super. Es waren zwar doch einige zu sehen und hören, aber es hätten deutlich mehr sein sollen. Nach ca. 3,5 Std. war der Spechteinsatz dann beendet. Und ich warte schon wieder auf die nächste Aktion.
Logbucheintrag: Sonntag
Ich könnte jede Woche einen Beitrag über das Kajal fahren schreiben, aber ich denke, das würde sehr langweilig für alle Leser:innen werden. Also muss ich das gut dosieren. Heute war ich mit Percy (mein Kajak) auf dem Wasser. Es ist immer wieder spannend, wie doch so ein Boot, ob man es hinter sich her zieht oder drin sitzt, Aufmerksamkeit auf sich zieht. Da rufen die einem von Fahrrad mit hochgereckten Daumen „Klasse!“ und die anderen fragen, ob das Wasser kalt ist. Die weniger kommunikativen machen einfach Fotos. Manchmal sehr offensichtlich, manchmal etwas diskreter.
Wieder war ich beinahe alleine auf dem Wasser. Für heute hatte ich mir die Umrundung der Insel Reichenau vorgenommen. Am Anfang war ich etwas enttäuscht, dass die Sonne es noch nicht durch die Wolkendecke geschafft hatte, aber nach 15 Min. paddeln, war ich da seeehr dankbar drum. Ich wäre sonst in meinem Boot zerschmolzen. Außerdem wären dann doch mehr Leute unterwegs.
Für die Umrundung brauchte ich ca. 2,5 Std. Mal paddelte ich ziemlich konsequent, mal ließ ich mich einfach treiben. Ich beobachtete Gänsesäger, freute mich über das Startgeräusch von Blesshühnern, hatte furchtbare Schwierigkeiten die Schwäne zu umschiffen (fuck, sind die riesig und fuck, können die gefährlich fauchen) und sammelte ein paar Federn aus dem Wasser. Irgendwann werde ich noch einmal sehr früh morgens los müssen, denn die Biberburgen haben es mir angetan. Ein ambitionierter SUP-Fahrer grüßte quer über den Rhein. Die schweizer Grenzkontrolle konnte sich nicht recht entscheiden, ob sie ablegen oder anlegen wollte. Zum Schluss verpasste ich dann noch das optimale Fotomotiv eines Graureihers vor dem Alpenpanorama. Aber die Kamera hätte ich eh nicht mehr halten können, meine Arme waren schlapp wie ein Luftballon ohne Luft.



