Auf dem Rad

Seit Donnerstag bin ich im Homeoffice. Es stellt sich allerdings keinerlei Entspannung ein. Eigentlich müsste ich ruhiger werden. Nicht jeden Tag zu einer frühen Zeit aufstehen müssen, kein Arbeitstag bis abends um 19 Uhr. Ich kann mir die wenige Arbeit, die ich gerade habe, einteilen wie ich lustig bin. Vor ein paar Wochen habe ich mich noch darüber beschwert, dass mein sozialer Akku so leer ist und ich ein bisschen Zeit für mich bräuchte. Man sollte vorsichtig damit sein, was man sich wünscht.

Es ist seltsam, keine Menschen mehr zu sehen. Ausgenommen M und ganz selten, aus mindestens zwei Meter Entfernung, meine Familie. Aber nicht nur die soziale Distanz macht zu schaffen. Langsam beginnt der Rücken zu schmerzen, da man keinen Sport mehr machen kann. Der Schlaf wird schlechter, weil man nicht ausgeglichen ist. Dagegen mussten wir gestern was unternehmen. Es ist lange her, dass ich eine Fahrradtour gemacht habe. Der Weg zur Arbeit oder zu irgendwelchen Freunden, zählt dabei nicht.

So schwangen wir uns gestern auf die Räder. Wir holperten über Feldwege, raus aus der Stadt. Die Vögel zwitscherten wie verrückt. Der Specht klopfte in regelmäßigen Abständen. Der Weg, den ich mir ausgesucht hatte, führte vorbei an Orten, die ich im Sommer gerne aufsuche. Hier sammle ich Sonnenblumen, hier hing mal eine Schaukel. Je weiter wir aus der Stadt raus fuhren, desto weniger Menschen worden es.

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Der Wind biss uns ganz schön ins Gesicht. Es fühlte sich hart an, aber lebendig. Die Wiesen lagen vor uns, lang, wie ein grüner Teppich. Der Himmel mit seinem Sonnenblau im Kontrast. Und dann waren da überall die Frühlingsanzeichen. Weiße Blüten an den Sträuchern. Narzissengelbe Farbkleckse im Augenwinkel. Saftiges Grün an den Bäumen.

Vielleicht bin ich doch froh über die Soziale Distanzierung im Moment. Sobald keine Menschen mehr in der Nähe sind, nur noch die Natur und ich, wird das Herz immer wärmer. Ich würde mir allerdings gerne aussuchen, wann ich Abstand zwischen Menschen und mich bringen will. Wann der Akku leer ist oder nicht und wann ich mit Freunden Spieleabende und leckeres Essen kochen möchte oder lieber auf dem Sofa zuhause ein Buch lese.

Diese Entscheidung wird uns allen im Moment abgenommen. Für die Zeit ist es okay. Man lernt sich damit zu arrangieren – zu leben. Man wird erfinderisch und sucht nach Alternativen für einen Ausgleich. Hier kommt einer der besten Lösungen: Hoch lebe das Fahrrad!

14 replies to “Auf dem Rad

  1. Ich darf leider noch kein Fahrrad fahren, möglicherweise auch noch länger nicht (wegen meiner Rücken-OP), das ist für mich sehr schade, weil es immer ein Stück Weg hat, bevor wirklich Natur zu erreichen ist hier.

    Um so mehr freue ich mich für Dich, dass Du so einen schönen Ausflug genießen konntest. Versuche nur, so etwas immer mal wieder zu machen.

    Ich denk‘ an Dich – wünsche Dir sehr, dass Du gut durch diese argen Zeiten kommst und vor allem, dass Du gesund bleibst.

    Viele, ganz liebe, Grüße an Dich! 💚🌷

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    1. Ach, das tut mir sehr Leid. Wann darfst du wohl wieder? Wird das noch etwas dauern?

      Ich versuche, gerade jetzt in der Zeit, jeden Tag ein bisschen rauszukommen. Ob alleine oder mit meinem Freund. Ob mit Rad oder zu Fuß. Ein bisschen sportliche Betätigung muss einfach sein.

      Das wünsche ich dir auch, du Lieber. Von ganzem <3.
      Liebste Grüße
      Ines

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  2. Hallo Ines,
    ich bin immer sehr viel mit dem Rad unterwegs, aber jetzt um so mehr. Man kann schön weit in die Natur, ohne anderen Menschen zu begegnen.
    Aber wie Du schreibst, man will selber entscheiden, ob man Menschen um sich haben will oder nicht, und nicht dazu gezwungen werden.
    Doch wir sehen alle ein, daß es notwendig ist.
    Genießen wir also so gut wie möglich den Frühling.

    Liebe Grüße,
    Bärlinerin

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      1. Oha, und ist das der Mann, von dem wir lange schon gelesen haben, oder kam ein neuer Mensch in dein Leben und hat es umgekrämpelt? 🙂 Ich freu mich sehr für dich!

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