Projekt II [Februar]

Auch diesen Monat gab es wieder ein Projekt. Eines, was sich für mich wirklich in sich hatte. Das Projekt stand dieses Mal unter dem Titel „Kein Internet auf dem Handy“.

projektAm 31.01. schaltete ich das Internet auf meinem Smartphone aus. Vorher schrieb ich in meinen Whats App Status noch eben, dass ich nur noch über SMS oder Anrufe erreichbar sei. Klar, kein Mensch liest einen Whats App Status. (Im Nachhinein erfuhr ich, dass der Status niemals angezeigt wurde.) Ich hatte irgendwie ein echt komisches Gefühl, als ich am nächsten Tag aufwachte und wusste, dass ich nun alles am Laptop nachschauen musste. Mir ist schnell klar geworden, wozu ich mein Handy am meisten nutzte: Whats App, mal schnell Mails checken, Französisch lernen und vor allem schauen, wie das Wetter morgen wird.

Gleichzeitig war es auch eine echte Erleichterung zu wissen, ich bin nicht erreichbar. Eine SMS schreibt man trotz Flat mit mehr Bedacht, als eine Whats App Nachricht. Und vor allem konnte ich mich aus jeglichen Gruppenchats ausklinken, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Allen wichtigen Personen sagte ich dann noch einmal persönlich, dass ich ohne Internet im Februar lebte und stieß dabei fast überwiegend auf positive Rückmeldungen. Fast. Einige verstanden den Sinn darin auch nicht.

Allerdings war der Start gar nicht so einfach. Da mir viele Freunde per iMessage schreiben, fiel diesen gar nicht auf, das ihre Nachrichten nicht ankamen. Am aller Besten waren dann aber die MMS. Die musste ich alle am Laptop aufrufen. Ich wunderte mich nach dem zweiten Bild schon, warum diese so zusammenhanglos versendet wurde. Wirklich bewusste wurde mir die Zeitverzögerung aber erst bei der dritten Bildnachricht. Die MMS brauchten nämlich ganze vier Tage vom Empfänger zu mir – eine Brieftaube wäre da schneller.

Was habe ich aus dem Projekt gelernt? Vor allem, dass mich die Leute, die mich wirklich erreichen wollen, auch auf „schwierigeren“ Wegen erreichen. Dass eine SMS immer noch mehr Wert hat, als eine schnell dahin geschriebene Whats App. Überhaupt kommuniziert man über Whats App ziemlich viel belanglosen Quark. Ich habe auch gelernt, dass es nett sein kann mal zu telefonieren – obwohl ich telefonieren eigentlich nie mochte. Ohne schnellen Zugriff auf’s Internet muss man sich abends gut überlegen, was noch wichtig war und was am Laptop schnell noch nachgeschaut werden muss (z.B. der Wetterbericht). Ich habe aufmerksamer bei Nachrichten im Radio zugehört. Überhaupt habe ich das Gefühl gehabt, viel länger konzentriert arbeiten zu können.

Heute Abend habe ich mein Internet wieder angeschaltet: 395 Nachrichten. Das Beruhigende daran ist, es war nichts wichtiges dabei. Ich hätte auf all diese Nachrichten verzichten können. Klar, es ist einfacher über Whats App Bilder zu verschicken, aber einen großen Unterschied macht es ansonsten nicht. Ich habe mich echt schnell daran gewöhnt, kein Internet mehr zu haben. Das komische Gefühl, jetzt wieder alles sofort nachgucken zu können, bleibt. Vielleicht hat sich mein Handykonsum durch das Projekt wirklich nachhaltig geändert.

geschenkDann war da ja noch die sich-selber-Geschenke-machen-Geschichte. Ganz eindeutig waren hier wirkliche Wellnessmomente für die Seele dabei. Wieder nicht viel materielles, aber das zählt auch am wenigsten. Zum Beispiel war ich am Anfang des Monats nach Ewigkeiten mal wieder tanzen. Da der Frühling auf der Türschwelle steht, konnte ich mir zwischendurch Zeit nehmen und in der Sonne sitzen. Herrlich. Ein ganz besonderes Geschenk an mich war das Wochenende in Hamburg – Ausschlafen, L wiedersehen, Sport machen und gutes Essen essen. Am Ende kam dann doch eine kleine materielle Sache hinzu: Ein neues T-Shirt.

 

10 replies to “Projekt II [Februar]

    1. Kann ich absolut nachvollziehen. Mein Handykonsum war auch vor dem Projekt schon wirklich wenig. Und ich selber habe mich damit auch nicht schwer getan. Es waren wirklich eher die anderen, die sich dann gestern Abend tierisch gefreut haben, dass ich endlich wieder „schneller“ erreichbar bin. Das ist schon irre zu sehen, wie selbstverständlich Whats App und Co genutzt wird.

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  1. Ich hab‘ ja nur ein Tastenhändy, ganz ohne Internet. Und das ist eine sehr bewusste Enntscheidung. Ich schreibe zu 98% nur von meinem PC aus (kein Tablet, kein Laptop etc.) und ich bin auf keinem sozialen Netzwerk unterwegs. Nur hier bei wordpress.

    Mehr möchte ich nicht. Nicht alles in meinem Leben ist dadurch so einfach wie es sein könnte. Aber es ist mehr Herausforderung, mehr LEBEN. Das ist für mich wichtig, auch, weil es erdet, dadurch dass ich ganz bewusst auf Dinge gestoßen werde, die mal Werte für viele gewesen sind. Heute aber eben nicht mehr …

    Sehr liebe Grüße!

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    1. Diese bewusste Entscheidung ist echt was schönes. Ich finde, es bedarf ja auch gar kein Immer-erreichbar-sein oder schnelles Nachgucken von Dingen. Eigentlich lenkt es die Konzentration viel zu schnell ab und zwar auf total unwichtige Dinge.

      Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende, lieber sternflüsterer!

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      1. Erreichbar bin ich ja trotzdem immer – halt per SMS oder, wenn es wichtiger ist oder ausführlicher sein soll/muss auch per Telefongespräch. – Aber so ist es mir halt genug – auch, wie Du schreibst, wegen der Konzentration auf und Zeit für andere Dinge.

        Bei mir drüben habe ich’s Dich gerade auch gewünscht, aber gern hier bei Dir nochmals: Auch Du sollst ein ganz schönes Wochenende haben!

        Sehr liebe Grüße gibts dazu!

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  2. Ich war zwar auch ein Spätstarter was das Smartphone anging, aber inzwischen weiß ich nicht ob ich noch ohne mobiles Internet „klar käme“. Auf jeden Fall eine interessante Erfahrung. Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen. Das Internet ist schon eine tolle Sache, aber mobil sehe ich da schon einige gravierende Nachteile.

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  3. Ich merke auch, wie entspannt ich bin, wenn ich mal einen Tag kaum am Handy war. Wäre das nicht Mittel der Wahl um mit B. zu kommunizieren (und auch wenn es nur belangloser Kram ist), könnte ich auch getrost auf Internet am Handy verzichten. Erschwert zwar das eine oder andere, aber entspannt ungemein!

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