Maximale Liebe (Dortmund)

Trotzdem diese Stadt mehr als Grau ist, zieht es mich doch immer wieder her. Immer und immer wieder. Knappe 250km bis zur echten Liebe. Den Weg dahin kenne ich auswendig. Kurz vor Dortmund beginnt es jedes Mal zu kribbeln. Ich erwarte eigentlich, dass ich irgendwann mal aus dem Auto/Bus steige und denke: Was hast du an dieser Stadt nur gefunden? Ein bisschen so wie nach dem Ende einer Beziehung, die man viel zu lange aufrechterhalten hat. Aber dieser Punkt wird vorerst nicht kommen. Denn Dortmund ist und bleibt eine Schönheit. Nicht äußerlich, aber innerlich.

Am Freitag meinen langjährigen, guten Freund wieder in die Arme zu schließen und sich direkt wieder in Diskussionen verwickeln. Das mag ich. Hier wird sich widersprochen und dennoch weiß man, dass man sich gerne hat. Ich mag den Ruhrpott-Dialekt. Ich mag Dortmunds viele Bars, Kneipen und Restaurants und das Kreuzviertel. Nichts gibt es besseres, als durch die Innenstadt zu schlendern, mit all den vielen Geschäften. Gerade wenn das Wetter passt spielen wirklich gute Straßenmusiker meinen SoundtrIMG_3988ack für den Wochenendtrip.
Der Abstecher in die Thier-Galerie ist ein Muss, auch wenn ich bisher nie etwas dort gekauft habe, esse ich jedes Mal einen Frozen Yogurt. Das ist zum Ritual geworden. Wer keinen FY gegessen hat, war auch nie in Dortmund.

Ich verbinde diese Stadt mit Studenten. Mit jungen Leuten. Mit Wohnheimkämmerchen und Wohngemeinschaften. Mit offenen Menschen, die mich und meine Freunde einfach in ihrer Wohnung schlafen lassen, obwohl sie uns nicht kennen. Mit coolen Mitbewohnern, die Klavier und Geige spielen und man somit immer eine entspannte Atmosphäre in der Wohnung hat. Auch morgens beim Frühstück, wenn es mal keine Ovomaltine gibt.

Neulich wurde ich gefragt, ob es keine andere Stadt außer meiner Heimatstadt gibt, in der ich mir vorstellen könnte zu leben. Ich habe das immer mit einem klaren „nein“ beantwortet, obwohl ich genau weiß, dass ich in jeder Stadt (glücklich oder unglücklich) leben könnte. Und es tut mir Leid Dortmund, dass ich dich nicht auf dem Schirm hatte. Dabei habe ich schon oft mit mir gerungen, dich endlich zu mir gehörig zu machen. Bisher konnte ich mich nicht überwinden. Dir den Rücken kehren oder dich jemals wieder vergessen, wird mir allerdings nie wieder passieren.

6 replies to “Maximale Liebe (Dortmund)

  1. Das ist mal eine Liebeserklärung!

    Die in Verse gefasst und eine passende Musik drunter, und Du könntest unzweifelhaft Mister Grönemeyer mit seiner „Bochumhymne“ Komkurrenz machen. Wenn ich Bürgermeister von Dortmund währe, hätte ich Dich schon mal für eine Ehrenbürgerschaft auf dem Zettel! 😉

    Aber ich kenne das, so eine besondere, für andere Menschen vermutlich erstmal „seltsame“, Liebe zu bestimmten Orten, und eben auch bestimmte Städte betreffend.

    So habe ich immer das alte dreckige DDR-Leipzig gemocht. (Mit dem heutigen kann ich kaum noch was anfangen.) Ich rieche dier Kohle dort, die Dämpfe, die nachts von den Kraftwerken abgefackelt wurden, aber ich sehe auch das Stötteritzer Wäldchen, den Fußballplatz in Südost, wo ich oft mit meinem Opa war, die herrlichen alten Straßenbahnen mit den Holzsitzen. Es gab dort so eine besondere Knackwurst (!!) und eine Limonade, die ich nirgendwo anders wieder gefunden habe. Und einen Lieblingsbäcker mit den besten Keksen. Und die Deutsche Bücherei. Und ja, in gewisserweise mag ich auch die Mentallität der Sachsen, der leipziger Sachsen ium Speziellen. Ach, ich könnte da noch eine ganze Weisel weiterschreiben…

    Ich liebe Kosice in der Slowakei, die Heimatstadt meiner Frau. Wenn ich dort bin, bin ich zu Hause. Dabei hat es auch dort diverse Unzulänglichkeiten. Aber das ist überhaupt nicht wichtig. Oder doch? Womöglich mag ich die Satdt (auch) deshalb so besonders.

    Frozen Yoghurt! – Habe ich erst vor einem halben Jahr überhaupt für mich entdeckt. Mag ich grundsätzlich, obwohl es da ziemlich große qualitative Unterschiede gibt. Aber hier in meinem kleinen Kaff, gibts in der Innenstadt einen unscheinbaren Laden, da ist so ein kleiner Becher schon ziemlich teuer, aber das schmeeeeeckt!!!! – Ich würde Dir glatt einen spendieren, wenn Du hier wärst – mal sehen, wie der sich gegen den Dortmunder schlägt …

    Ganz liebe Grüße!

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    1. Hach ja, diese Stadt verteiltet ja auch zum Schwärmen. Aber du hast das schon ganz gut erkannt: Meist steht man mit dieser Ansicht recht einsam da. Wenn ich hier bei meinen Freunden schwärme, heißt es meist nur: Dortmund ist keine schöne Stadt. Oder sie sind noch genervter davon, weil sie Schalke Fans sind. 😀

      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es auch damals sehr schön, wenn auch außergewöhnlich in Leipzig war. Sobald man etwas mit der Stadt verbindet, ist das eigentlich auch egal, wie sie aussieht. Dann zählen die Erinnerungen und die Erlebnisse. Vor allem das Zurückkehren dorthin.
      Man findet seine zweite Heimat, sein zweites Zuhause meist an Orten, wo man es am wenigsten erwartet. (: Umso weniger mag man die Stadt dann wieder loslassen.

      Ach, wie herrlich wäre das, einmal diesen Frozen Yogurt bei dir zu probieren. Ich könnte wetten, da kann der Dortmunder nicht mithalten. (:
      Ganz herzliche Grüße!

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      1. Oh, ob er sooo gut ist, weiß ich nicht. Aber ziemlich gut ist er, mein Favorit ist der mit Heidelbeeren und Schokoladensoße. – Irgendwie denke und hoffe ich doch, dass das mal klappen wird, den gemeinsam zu probieren, wo Du Dich so gern an der Ostsee bzw. in Ostseenähe herumtreibst. 😉

        Dass mit der Liebe zu bestimmten Städten, hast Du ganz treffend beschrieben. Heimat empfindet man längst nicht immer da, wo die vermeintlich schönsten Fassaden sind. – Das habe ich schon sehr oft bestätigt gefunden.

        Liebste Grüße auch an dieser Stelle!

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