Situationship

Vor ein paar Tagen habe ich einen Podcast vom Deutschlandfunk Nova über Situationsships gehört. Ich stand in der Küche und habe gekocht und wurde während des Hörens immer angespannter. Fruchtbar, wenn man bemerkt, dass man dieses Beziehungsmodell schrecklich findet, sich aber eigentlich gerade in genau diesem Modell bewegt.

Eine Situationship ist irgendwie mehr als Freundschaft, aber keine klassische Beziehung. Es gibt keine Label. Die Personen, mit denen sie im Podcast Interviews geführt haben, haben versucht das Konzept positiv darzustellen, aber auch kritisch hinterfragt. Ist das nicht total egoistisch? Man weiß, dass die andere Person einen sehr gerne mag, aber man will keine Beziehung. Jederzeit ist es möglich auszusteigen und das nur mit der „Begründung“ kein gutes Gefühl mehr dabei zu haben. Rührt dieses „ich leg mich einfach nicht richtig fest“ nicht doch irgendwie aus einer Bindungsangst her? Die genannten „Vorteile“ habe ich alle wieder vergessen.

Woher kommt dieses Modell Situationship eigentlich? Angeblich ein ursprünglicher „Trend“ oder zumindest bekannt geworden 2017 durch TikTok. Und alleine da hört es für mich schon auf. Ich finde soziale Medien einfach nur anstrengend, schrecklich und manchmal auch ganz schön gefährlich. Der Podcast behauptet, dass nicht nur die jüngere Generation Situationships eingeht – und dann haben sie eine Interviewpartnerin, die erst 19 ist. Und die das Modell zu verteidigen versucht.

Ich bin Mitte 30, ich kann mich mit den meisten Menschen bis Mitte zwanzig gar nicht identifizieren. Diese Freiheit, diese Unbeschwertheit, dieses „ich studiere hier und da mal ein bisschen“ und führe offene Beziehungen oder bin polyamor. Vielleicht bin ich zu alt für den Mist. Vielleicht bin ich feige und habe Angst vor dem Alleinsein. Vielleicht brauche ich die Sicherheit soweit man sie eben kriegen kann. Ich möchte langfristig mit jemanden planen können. Und wenn Schwierigkeiten auftauchen, nicht gleich die Segel streichen, nur weil es gerade holprig läuft oder ich jemand anderen spannend finde. Vielleicht bin ich einfach zu old school…

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