Fühlung

Lange war mein Auto nicht mehr so dreckig. Dieser Feldweg hinterlässt Spuren auf dem Lack. Wie oft bin ich diesen Weg hierher schon gefahren. Wie oft musste ich bremsen, um keine Hasen oder Rehe umzufahren. Als ich auf den Hof fahre, schauen mich zwei Katzen an. Sie kommen mir entgegen, als ich aussteige, zur Begrüßung. Streichen mir um die Beine. Da ist ein warmes Gefühl in meiner Brust. Ich habe sie vermisst, die beiden. Dann stehst du in der Tür deines Campers, lächelst. „Hallo“, sagst du. „Hi“, antworte ich.

Wir sitzen im Bus, während der Regen auf das Dach prasselt. Habe mehr Nächte in diesem Camper verbracht, als in meinem. Habe ihn mittlerweile bei allen Wetterverhältnissen erlebt. Regen, Sturm, Schnee, Eis, Sonne. Ich begleite ihn seit einem Jahr in seiner ständigen Transformation. Dich begleite ich auch. Meine Gefühle für dich haben sich nicht wirklich transformiert.

Wenn ich mich neben dich lege, fühlt sich das an, als wäre ich aus dem stürmischen Unwetter draußen in eine warme Wohnung gekommen. Sicher, geborgen, warm. Alles in mir wird ruhig. Ich habe viel gekämpft für diese Nähe. Mit mir, mit dir. Habe mich verrannt gehabt und viel zu viel von uns erwartet. Musste selbst erst einmal lernen, dass es so viel leichter sein kann, wenn man aufhört zu verhandeln und wirklich kommuniziert.

Ein paar Meter vor uns tobt die Band. Im Augenwinkel sehe ich, wie du dich bewegst. Ich schließe die Augen, höre einfach nur hin. Spüre dann deine Hand an meinem Rücken. Kleine Stromschläge pulsieren in mir. Habe in diesem einen Jahr so oft versucht, dieses Band zwischen uns zu kappen. Wurde von anderen Männern angesprochen, habe andere Männer angesprochen. Trotzdem war ich nur glücklich, wenn ich deine Stimme gehört habe. Wenn du neben mir standest, neben mir saßt, neben mir lagst. Solange ich bleiben darf, bleibe ich.

Hinterlasse einen Kommentar

close-alt close collapse comment ellipsis expand gallery heart lock menu next pinned previous reply search share star