Auf dem Gotthard hat es um 18 Uhr schon 2 Grad. Das ist für mich das Zeichen weiterzufahren, außer ich will ausgiebig meine Standheizung nutzen. Meine Leute sind in Chironico, aber ich kann heute nicht mehr socializen. Schon gar nicht auf Englisch und Schwyzerdütsch. Also fahr ich ins Tal. Bekannter Parkplatz, bekannte Erinnerungen. Der Platz ist erstaunlich leer, ich finde easy eine Parkbucht für Otis. Neben mir stehen Italiener. Wenn ich heute früh ins Bett gehen will, muss ich die Fenster zu lassen.

S fragt, ob ich nicht doch noch nach Chironico kommen mag. Nein, ich brauche hier eine Pause. Von allem. Also liege ich um 20:30 Uhr im Schlafsack und lasse dem Gedankenkreisen vollen Lauf. Der erste Teil der Nacht wird unruhig, aber dann schlafe ich wie ein Stein. Morgens kommt die Sonne noch lang nicht über den Berg. Also frühstücke ich gemütlich und stehe vor dem täglichen Problem: Was mache ich heute? Womit bin ich zufrieden? Ich lauf zum Fluss runter. Schaue, ob ich die Wasseramsel finde. Kein Vogel da, dafür aber eine Menge Erinnerungen.



Meinen Verarbeitungsprozess setze ich gleich mit Konfrontation fort. Ich parke umständlich aus der Lücke aus und fahre doch nach Chironico hoch. Auf den Parkplatz wo die bekannte Crew steht, fahre ich allerdings nicht. Mein Morgenspaziergang durch den Kastanienwald führt mich vorbei an all die bekannten Boulder. Von denen ich bisher nichts wirklich gemacht habe, außer sie mal angefasst. Wütend trete ich Esskastanien weg. Hab mir vor zwei Wochen die Finger piksig gestochen und nicht eine Maroni bekommen, weil die dann alle bei M im Bus geblieben sind. Dann entscheide ich nach Hause zu fahren. Nächstes Wochenende ist für’s Bouldern ja hoffentlich auch noch Zeit. Die Leute sind eh hier. Oder da, wo ich sie treffen will.