Sellamatt [Schweiz]

Das Auto ist vollbeladen mit Personen. Meine Freundin plus ihr Freund, eine Freundin meiner Freundin und ich. Los geht’s mit dieser Truppe Menschen, ab in die Berge, weil es vielleicht der letzte schöne Tag wird vor dem Herbst. Weil der Schnee auf den hohen Bergen schon wie Puderzucker liegt und ich keine Skifahrerin bin. Zum Wandern also noch einmal raus. In einer Suppe aus Nebel verlassen wir Kreuzlingen und fragen uns, worauf wir uns da wohl eingelassen haben. Keine Sicht. Kälte bei 3 Grad und wir sind bisher nicht mal annähernd auf dem Berg. Aber dann kommt alles anders. Dann wird alles schön.

Während wir Mädels die Bahn hoch zum Sellamatt nehmen, läuft P. hinauf. Wir stolpern aus der Gondel und halten erst einmal inne. Was für ein Blick auf den Säntis. Mich juckt es ja direkt wieder in den Beinen – ich will hinauf auf den Gipfel. Eigentlich war das mein Projekt für dieses Jahr, aber nun muss ich es auf nächste Saison verschieben.
Ach, und plötzlich kommt es uns ganz warm vor. Die Sonne hat es mit unserer Fahrt ins Tal geschafft sich durchzukämpfen. Unten an der Talstation noch 5 Grad und wir am Frieren, aber hier oben ziehen wir schnell unsere Jacken aus.

Der 12 km Weg beginnt und während wir auf der einen Seite immer wieder den Säntis bestaunen können, sehen wir auf der anderen Seite die Churfirsten. Ich verliebe mich ein bisschen in diese sieben Gipfel. Keiner der Gipfel hat Kletterpassagen. Man kann sie sogar theoretisch an einem Tag besteigen. 30 km Wanderung, knappe 4000 Höhenmeter. Wieder juckt es in den Beinen. Ist das das nächste Projekt nach dem Säntis? Für 2026 an zwei (oder drei) Tagen. Denn seien wir ehrlich: 4000 Höhenmeter schaffe ich selbst wenn ich trainiere nicht an einem. Vielleicht finde ich ja sogar innerhalb der nächste 1,5 Jahre jemanden, der mit mir läuft.

Ich lass mich umarmen von dieser Wanderung. Von der Wärme der Sonne. Von der Aussicht auf die Berge. Von dem Gefühl der Freiheit. Ein bisschen schadenfroh schauen wir während unserer Vespar auf den Bodensee. Oder zumindest auf die Nebeldecke, die dort unten liegt und wo wir den See erwartet hätten. Der warme Tee rinnt durch den Körper, die Wangen werden leicht gerötet, der Wind zerzaust die Haare. Die Augen eng zusammengekniffen, weil die Sonne uns ihre Herbstpower ins Gesicht brüllt.

Dann merke ich, dass etwas fehlt. Etwas, was ich nicht vermissen werde. Natürlich wird sie wiederkommen, aber jetzt – genau jetzt und den ganzen Tag lang – genieße ich die Abwesenheit der Einsamkeit.

12.10.2024

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