Beim Fahren auf Wolf klappert es an allen Ecken und Kanten. Ich habe mich nicht gut um ihn gekümmert in den letzten Wochen. Das Schutzblech hat sich gelöst und der Ständer muss dringend angezogen werden. Ich habe mich auch um mich nicht gut gekümmert in den letzten Wochen, deswegen fühl ich mich zu Wolf in diesem Moment sehr verbunden. Bei mir klappert es auch. Im Kopf und im Herzen. Gestern war seit Wochen der erste Tag an dem ich ab Mittags nichts mehr vor hatte. Und dann begann das Nachdenken. Ablenkungs- und Vermeidungsversuche waren erfolglos. Richtig tief drin war ich plötzlich im klappernden Kopf und richtig doll gefühlt habe ich es, das klappernde Herz.
Ein bisschen weniger geworden ist das Scheppern und Ruckeln heute Morgen. Der Herbst ist da am Bodensee. 6 Grad, ein ganz bisschen Sonne und ganz viel Nebel. Der Eisvogel kreischt. Das strahlende Blau ein krasser Kontrast zum dunklen Morgen. Die Radtour tut das, was ich mir von ihr erhofft habe. Ich muss nicht mehr nachdenken, sondern kann in den Nebel hineinschauen, das Klappern ausblenden.


Ganz verschwunden war es am Nachmittag für mehrere Stunden. Während ich an einer viel zu süßen Limo nippte, die Sonne plötzlich tat als wäre es Sommer und ich in diese braunen Augen schaute. Während ich versuchte jemanden hinter die Tore meiner Stadt blicken zu lassen. Nur ganz kurz, auf keinen Fall als Dauergast. Schon gar nicht als Bewohner. Darfst mal durch den Türspalt sehen. Aus 10 Meter Entfernung. Aber diese braunen Augen, dieser Witz, dieses Lächeln. Ich drücke die Tore wieder zu. Viel zu schnell fallen sie ins Schloss. Es klappert und scheppert dann doch wieder auf dem Heimweg.
