Wolf und ich stehen am Bahnhof. Dieses Rad ist in den letzten Tagen mein ständiger Begleiter. Wenn ich weinen möchte, fahre ich los. Wenn ich Ablenkung brauche, fahre ich los. Wenn ich mich auspowern möchte, fahre ich los. Aber jetzt werden wir erstmal gefahren. Mit zwei Satteltaschen bepackt geht es nach Uelzen. Umsteigen in Hannover. Da muss mir jemand das Rad nach unten tragen, sonst wäre ich jetzt schon festgehangen.
In Uelzen, denke ich: Das war also mal mein Traum? Hier zu arbeiten und im Wendland zu leben? Mit dem ersten Dorf hinter Uelzen kann ich diesen Traum ganz leicht wieder spüren. Ganz weit irgendwo in mir versteckt. Nicht für jetzt, aber vielleicht in einigen Jahren. Gleichzeitig frage ich mich auch, was ich hier eigentlich will. Also nicht heute, das ist nämlich klar (T besuchen), sondern im Leben. Und dann stelle ich alles in Frage. Vielleicht doch lieber ein Haus in Bergnähe? Vielleicht doch Kinder? Einen Hund? Einen Partner? Und was ist eigentlich mit dem Caddy? Ich habe jetzt viele Tage Zeit, um mir darüber klar zu werden.
Heute aber fahre ich mit Wolf zwei Stunden ins Wendland hinein, auf den Hof meines besten Freundes. Ich komme nur langsam voran, weil ich Federn aufsammeln muss, weil drei Kraniche über meinen Kopf entlangfliegen, weil es 30 Grad sind und ich aus dem Wald nicht raus möchte. Auf dem Hof aber werde ich ruhiger. Hier geht alles seinen gewohnten Gang. Hier herrscht nirgendwo Ordnung, immer nur Chaos. Das fühlt sich gut an, weil ich da gerade so reinpasse und weil manchmal auch mal Chaos sein darf. Es muss nicht alles aufgeräumt sein, es muss nicht alles nach Plan laufen. Jetzt fünf Tage mal nichts machen, außer Rad fahren, nachfühlen und genießen. Mal alles so lassen, wie es gerade ist. Und dann entscheiden – wenn mir danach ist.

