Mein Körper ist taub, nur das Herz schmerzt. Im Kopf schon hundert Schritte weiter, bin ich für das Gefühl der überwältigenden Trauer viel zu schnell. Das braucht Zeit, sagen sie mir. Nimm dir die Zeit. Ich weiß nicht, was besser werden soll mit der Zeit. Vielleicht, dass mein Körper in ein paar Tagen so kaputt ist, dass ich vor Erschöpfung endlich mal wieder schlafen kann. Vielleicht, dass sich das Herz endlich von Ms Herz lösen kann.
Es tut irgendwann nicht mehr weh. Du kannst das auch alleine. Irgendwann ist alles wieder gut. Alles Sätze, die ich in den letzten Tagen zuhauf gehört habe und so gerne glauben würde. Aber alles schreit immer nur: Ich kann nicht mehr. Psychisch und physisch. Ich habe alle meine Kompetenzen abgegeben. Ich will nur noch aufwachen und merken, das war nur ein böser Traum. Aber das, genau das hier, ist jetzt mein Leben.
Die Erleichterung währte nur kurz. Vielleicht kann ich schon nächstes Wochenende „nach Hause“, auch wenn ich gar kein Zuhause mehr habe. Mein Zuhause ist groß, hat braune Haare und grüne Augen und läuft vor mir weg. Jetzt habe ich die Aussicht wieder in die Heimat zu gehen und ich dachte, es würde sich doch bestimmt gut anfühlen. Es muss sich gut anfühlen. Einen Plan zu haben, Familie und Freunde in der Nähe. Aber stattdessen tut es nur noch mehr weh. Wie kann es nur immer nur noch mehr weh tun? Fragen stapeln sich auch hier wie Bücher in einer Bibliothek. (Wann mache ich die Dinge hier zum letzten Mal? Sehe ich manche Leute überhaupt noch einmal wieder, bevor ich gehe? Komme ich jemals wieder in den Süden?)
Wie komme ich von diesem „wir“ wieder zum „ich“? In vielerlei Hinsicht war ich wohl schon länger alleine unterwegs. Wir hatten einen Traum – Ich hatte einen Traum. Wir waren glücklich – Ich war glücklich. Wir wollten, dass es nie endet – Ich wollte, dass es nie endet. Wir müssen loslassen – Ich muss loslassen.
Wie lange wird es dauern, bis mir nicht mehr solche Sätze herausrutschen wie: Da fahren wir hin, das können wir machen, wir besprechen das?
Wem erzähle ich jetzt all die Dinge, die mir passieren? Die mich bewegen, glücklich machen oder von innen auffressen? Wer holt mich jetzt aus meiner Komfortzone heraus, ohne mich jemals dabei unsicher zu fühlen? Wer fängt mich auf? Wann hört es auf weh zu tun? Wer liebt mich jetzt? Wann muss ich mich von dir verabschieden? Wann nimmst du mich zum allerletzten Mal in den Arm?