Bittersüß

Ein surrealer Vormittag auf einer Radtour auf dem Radnetz des Bodensees. Kein Mensch weit und breit, denn alle sind entweder frierend auf den Weihnachtsmärkten, im Geschenkekaufstress oder im warmen Zuhause beim Frühstück. Ein näher kommendes Geräusch: Zischen und dampfen. Der Suisse Train poltert vorbei, wie ein großes, dampfendes Ungeheuer. Wie der Hogwarts-Express. Bezeugen kann ihn niemand, außer mir. Mit kaltgeforenen Füßen und erschöpften Beinen komme ich wieder daheim an. Tee trinken, Wärmflasche machen und drei Kerzen anzünden, für ein bisschen Gemütlichkeit.

Heute habe ich die Wohnung geputzt. Im Wissen, dass das bereits die Weihnachtsvorkehrungen sind. Am Freitag werde ich nicht dazu kommen. Vier anstrengend lange Arbeitstage liegen noch vor mir. Wäre ich an meinen kleinen Koffer gekommen, dann hätte ich ihn wohl schon gepackt. Wie lange habe ich schon keinen Koffer gepackt… Sonst hieß es immer nur, alles rein in den Bus und weiter geht die Fahrt. Mein Schlafsack hängt zum Auslüften über dem Sofa. Als ich ihn wieder zusammenknausche, um ihn in die Hülle zu quetschen überkommt mich eine Flut Gefühle. Erschöpfung, durch die ganze Anstrengung der letzten Wochen. Fernweh, nach all den schönen Orten, die so viel Erholung und Auszeit boten. Traurigkeit, Wut, Angst. Ein Gemisch, sorgfältig zusammengebraut. Bitte sehr, bittersüß, hier ist es serviert.

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