Für alle Vogelliebhaber:innen gibt es ein tolles Vogelquartett. Illustriert von Naturkünstlern und mit Vogelgesang unterlegt von Dominik Eulberg. Wer also Vogelrufe lernen möchte, findet auf den Rückseiten der Karten einen QR-Code. Das Quartett hat seinen Namen dank des Eisvogels erhalten: Der fliegende Edelstein unter den Vögeln. Kobaltblau strahlt er und ist mit seiner auffälligen Farbe gleichzeitig perfekt getarnt. Denn das Blau verschwimmt im Flug mit dem des Wassers. Wenn an freien Tagen morgens die Zeit ist und das Wetter passt, laufe ich also jetzt zum Steg herunter und schaue aufmerksam durchs Schilf. Zwei Eisvögel sind hier immer wieder auf Beutezug.
Und tatsächlich habe ich heute Glück. In einiger Entfernung sitzt er auf dem Bootrücken und schaut ins Wasser. Immer auf der Suche nach den kleinem Snack. Er wird allerdings schnell wieder aufgescheucht durch Hundespaziergänger und fliegt davon. Während ich warte, dass er zurückkommt und ob er überhaupt zurückkommt, wandert mein Blick zu den anderen fedrigen Tieren rund um mich herum.
Während die Sperlinge aufgeregt auf der Reling sitzen und nach Futter suchen, breitet der Komoran seine Flügel aus. Er wackelt hin und her, schwingt sie vor und zurück. Wenigstens einer macht morgendliche Aufwärmübungen. Ein bisschen sportliche Betätigung muss auch bei den Vögeln sein. Die Gänsesäger sind heute wieder in größeren Gruppen unterwegs. Sie kommen allerdings nicht besonders nah ans Ufer. Möwen reihen sich wieder einmal auf den Pfählen auf. Stammplätze für Stammgäste. Die Blesshühner rufen immer wieder ihren spitzen Schrei aus. Umso mehr ich ihn höre, desto öfter denke ich, dass es ja vielleicht auch der Eisvogel sein könnte. Ich muss dringend die Quartettkarten wieder hervorholen, denn der Eisvogelruf ist ja unverkennbar.






Ich lasse mich auf den feuchten, kalten Steg nieder und verharre wartend auf den Eisvogel. Nach fünf Minuten muss ich meine Position ändern und schaue hinter mich, um kurz ein bisschen Sonne im Gesicht zu haben. Da sitzt er. Hinter mir, in meinem Rücken, während ich auf der anderen Seite warte. Das Anschleichen für ein Foto funktioniert in dem Moment leider nur mäßig. Zwei bis drei Mini-Zeitlupenschritte schaffe ich auf ihn zu, bevor er wieder verschwindet.

