Es ist genau Jahre und Monate her, dass ich hier am westlichsten Punkt des europäischen Festlands stand. Ausgespuckt von einem überfüllten Bus. Der Leuchtturm erscheint mir wie ein alter Bekannter. Heute fahren wir mit unserem eigenen Bus vor, ohne andere Leute. Weil wir früh dran sind, bekommen wir einen Parkplatz und können die Aussicht auf das diesige Meer fast alleine genießen. Mittlerweile wurde erkannt, dass die Menschen alles platt latschen. Zäune begrenzen nun den Weg. Es gibt nur noch eine Richtung. Hoch und runter auf dem Berg.



Auf den Klippen haben Menschen eine Highline gespannt. Ansonsten schaut auch hier der National Park sehr zertreten aus. Ob es sich irgendwann wieder erholen wird? Man kann es nur hoffen. Aufgeregtes Piepen klingt uns in den Ohren. Zunächst sieht man gar nichts und dann entdecken wir sie doch: Zwei kleine Rothuhnküken. Ohne Eltern. Hoffentlich sind sie noch in der Nähe.



Wir entscheiden uns auf dem Wanderweg einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Schon vor genau der Anzahl Jahren als ich das letzte Mal hier war (ich bin zu faul um es nachzuschauen, wann das war), gefiel mir dieser Küstenabschnitt besonders gut. Nur verweilten wir damals hier für eine kurze Pause, um uns vom überfüllten Bus wieder einsaugen zu lassen.



Auf dem schmalen Wanderpfad auf den hohen Klippen sind unendlich viele Pflanzen zu sehen. Alles ist grün. Die gelbe Mittagsblume bedeckt quasi den ganzen Boden. Ihre Blüten sehen aus wie die Spiegelung der Sonne. Kleine runde gelbe Sonnen wachsen am Boden. Dahinter das Meer im mittlerweile blauen Kleid. Das Grau wurde abgelegt. Bienen hängen an den Disteln und die kleine Vögel zwitschern aufgeregt. Es summt, brummt, trällert. Die Welt scheint in vollem Einklang mit sich.
Einige Meter hinter dem Leuchtturm kommt dann wieder die Ernüchterung: Zwischen den Bäumen haben Menschen ihr Zeltlager aufgeschlagen. Mülltüten liegen herum, Klopapier in den Büschen. Wieder einige Meter weiter stehen Camper und lassen ihr Abwasser in eine Schale laufen. Wohin sie damit wohl wollen? Grauwasser in den National Park schütten, du bist so ein Held.


Sintras National Park erscheint groß und gleichzeitig viel bebaut. Natur an der Küste und sonst viel Tourismus. Überall eigentlich viel Tourismus. M‘s Eltern schicken ein Foto von 2013. Grün überlagert das Bild, da wo nun alles sandig grau ist und die Klippen abzubrechen drohen.
