Beinahe Weihnachten

Mit den ersten Schritten in diese Wohnung bin ich jedes Mal wieder Kind. Die Wohnung, das Haus meiner Eltern. Es ist immer gemütlich warm hier. Hell und freundlich. Die Katze streift einem um die Beine. Papa kocht. Mama hängt Wäsche auf. Irgendwann kommt auch noch der Brudi dazu – wie schon immer hat er bis Mittag verschlafen.

Ich habe meinen Eltern zu Weihnachten für jeden Monat ein selbst gemachtes Rätsel geschenkt. Jeden Monat können sie sich somit mit der Rätsels Lösung eine Aktivität mit ihren Kindern erspielen. Im Januar war ein Kuchendate dran. Im Februar eigentlich ein Frühstück (das wegen Corona und anstehender Prüfung leider bisher verschoben wurde) und im März das Kerzen gießen. Und genau dafür hatten wir uns heute getroffen.

Im Januar schon hatte ich das Paket mit Wachs, Baumwollfäden und Ölen gekauft. Nach nun längerer Lagerzeit haben wir es heute endlich geschafft, die Gläser zu befüllen. Allerdings hatten wir zu Beginn erst einmal Startschwierigkeiten: Mein Bruder hatte zwar einen alten Topf dabei, allerdings funktionierte der nicht auf dem Herd meiner Eltern und war zusätzlich auch schon von außen eingewachst. Also überlegten wir lange Zeit hin und her, wie wir dieses Wachs wohl am schnellsten zum Schmelzen bringen konnten, ohne eine komplette Sauerei zu hinterlassen.

Wir hatten irgendwann die Lösung: Ab damit in den Backofen. Während also plötzlich die Wohnung nach weihnachtlichen Kerzenwachs roch, schnitten wir die Dochte auf die richtige Länge und befestigten sie an den Spießen. Dann hieß es warten. Warten. Warten.

Das Wachs wurde von weiß zu Honig. Von fest zu flüssig. Irgendwann waren wir und das Wachs dann bereit um los zu gießen. Hinein damit in unsere gesammelten Gläschen. Vorher noch ein paar Tröpfchen von den Ölen hinein: Grapefruit und Minze – es duftete so herrlich frisch!

Mit der Suppenkelle ging es dann weiter vom provisorischen Schmelztopf in die kleinen Gläser. Das Wachs wurde von Honig zu weiß. Von flüssig zu fest. Es war total spannend zu sehen, wie sich die Wachsschichten bildeten und das in jedem Gläschen ein unterschiedliches Tempo herrschte.

Erst einmal in meinem Leben hatte ich vorher Kerzen gezogen. Das Kerzen zu gießen auch so viel Spaß machen konnte, hätte ich nicht gedacht. Im Grunde ist es sehr simpel (wenn man einen alten, von außen sauberen Topf hat). Ich bin gespannt auf das Ergebnis. Wenn etwas Gutes bei rumkommt, kann ich mir die Kerzen auch als nettes Geschenk für Freunde vorstellen. Außerdem hat das heute bewiesen, dass Kerzen nicht unbedingt nur zu Weihnachten und Winter gehören. Der Geruch des geschmolzenen Wachs hingegen schon.

6 replies to “Beinahe Weihnachten

  1. Mein Bruder ist bei mir im Handy als Brudi eingespeichert 😀
    Ich nehme mir die ganze Zeit vor mal das gesammelte Bienenwachs einzuschmelzen, hab mich aber noch nicht so wirklich getraut, weil man das dann ja auch klären muss, muss ich mich erst noch mit beschäftigen 🙂

    Gefällt 1 Person

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