Tag & Nacht

Da ist dieses Bild. Vor fast vier Jahren aufgenommen und trotzdem schaue ich es an und merke, wie in mir die Emotionen hochkochen. Deckel drauf und Augen zum Himmel, damit das Wasser nicht überschwappt. Ich habe eine schlaflose Nacht hinter mir. Nicht, weil ich grübelnd im Bett lag, sondern weil ich entweder wach wurde, da mir die Decke entzogen wurde oder ich das Gefühl hatte, ich zerquetsche gerade einen der Kater unter meinen Beinen.

Wir sind so grundverschieden. Man könnte sagen wie Tag und Nacht. Du immer entspannt, nie große Sorgen, nichts setzt dich irgendwie unter Druck. Termine hältst du ein oder eben nicht. Muss ja auch nicht immer alles sofort gemacht werden. Du bist sozial verträglich, kommst auch bei fremden Menschen super an. Und ich bin so anders. Das komplette Gegenteil. Bei mir ist im Kopf immer viel zu viel los. Die Gedanken stehen Schlange, weil Ordnung muss sein. Termine und Aufgaben setzen mich unter Druck und kleine Veränderungen bringen mich häufig schon dermaßen aus dem Konzept, dass ich gar keine Chance habe darüber nachzudenken, ob meine Reaktion darauf jetzt angemessen ist oder nicht.

Du wirkst wie ein Ruhepol. Es entschleunigt mich zu wissen, dass du da bist und alles aus einem ganz anderen Blickwinkel sehen würdest. Du bist die Nacht und ich der Tag. Du bist ehrlich, offen, direkt. Ich bin nicht einmal ehrlich zu mir selber. Denn wenn ich meine Gefühle ehrlich ordnen würde, wüsste ich, dass dieses eine Foto von vor vier Jahren nur aus einem Grund noch da ist: Weil es nicht einfach durch ein anderes Bild übermalt werden kann. Schon gar nicht von heute auf morgen.

 

2 replies to “Tag & Nacht

  1. Ich finde es erstaunlich, welchen Sinn du für Details und Kleinigkeiten hast, dafür beneide ich dich sogar ein bisschen. Weil es deine Beiträge noch ein wenig schärfer macht.
    Du bist bestimmt schon mal über den Begriff gestolpert, falls nicht: Hypersensibilität. Dieses Phänomen ist noch nicht wirklich erforscht und vieles, was um diesen Begriff herum geschrieben wird, ist wahrscheinlich Unsinn, aber als ich darüber gestolpert bin, hat es mir geholfen, mich selbst und mein Denken besser einordnen zu können. Manchmal reicht es ja, wenn man weiß, dass man anders ist, und nicht falsch. Das hilft dann ja auch dabei, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und seine Schwächen einfach zu akzeptieren, statt sich von unrealistischen Ansprüchen stressen zu lassen.

    Dein anderer Beitrag mit dem Sparen: Dazu melde ich mich gerne, wenn du deine Reise genossen und den Kopf dafür hast.

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    1. Danke dir 🙂 Ich finde, das ist irgendwie ein schönes Kompliment.
      Über diesen Begriff bin ich tatsächlich schon gestolpert. Habe den ein oder anderen im Bekanntenkreis, der sich damit beschäftigt. Und das sehe ich da ähnlich wie du. In den wenigsten Fällen ist ja wirklich etwas „falsch“ mit jemanden. Manchmal ist man einfach anders – und ein normal gibt es in dem Sinne ja sowieso nicht. 😉

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