Die Abwesenheit der Schnecken

Vor einiger Zeit habe ich mich umgehört, da mir die Abwesenheit der Schnecken ziemlich aufgefallen ist. Wurden auf den Feldern und bei den Gärtnern noch welche gesichtet? Schnecken mit Haus finde ich nämlich ziemlich niedlich. Als Kind habe ich die immer gesammelt und im trockengelegten Aquarium beherbergt. Mit Löwenzahn und nachgebauter, natürlicher Umgebung. Nach ein paar Tagen beobachten wurden sie dann wieder in die Freiheit entlassen. Und dann waren plötzlich alle Schnecken verschwunden.

Der letzte Sommer hat ihnen wahrscheinlich nicht besonders gut getan. Kein Regen und diese unglaubliche Hitze. Es war weit und breit keine Schnecke zu sehen. Man hätte meinen können, ein  kleines Mädchen hätte sie alle eingesammelt. Schnecken gehören für mich also zur Kindheit dazu. Es ist eine Erinnerung an Gummistiefeltage. Dann, wenn die Schnecken plötzlich auf dem Weg auftauchten und sie von uns Kindern vorsichtig an den Wegesrand zurückgesetzt wurden. Heute frage ich mich, ob das so clever war. Woher wussten wir denn schon, wohin sie wollten? Und ob sie sich überhaupt orientieren konnten, wenn sie innerhalb zehn Sekunden die Strecke zurücklegten, die sie sonst in einer Stunde geschafft hätten. Vielleicht fühlte es sich ein bisschen wie Zeitreisen an.

Gestern sah ich dann nach langer Zeit mal wieder eine. Sie hing im Schatten der Pflanzen, war gar nicht großartig zu sehen. Ich hingegen freute mich ziemlich großartig. Während wir da Stunden in der Abendsonne saßen, betrachtete ich dieses kleine Häuschen. Es bewegte sich keinen Millimeter. Aber irgendwie beruhigte mich alleine das Angucken schon ungemein. Denn das bedeutet, dass es sie noch gibt. Sie sind noch da.

Schnecke

 

4 replies to “Die Abwesenheit der Schnecken

  1. Du bist eine richtige „Schneckenfee“ – ich verfolge Dein Tun Und Denken, diese Tierchen betreffend ja schon eine Weile. – Dieser Text spiegelt sehr Dein Verhaltnis zu den kleinen Gesellen, zur Natur überhaupt, und das Foto ist richtig gut gelungen, finde ich.

    Ganz liebe Spätabendgrüße, liebe Ines!

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