Eine Hommage an meine Familie

Es gibt verschiedene, bestimmte Wörter, Berufe, Geräusche oder Eigenschaften, die ich mit einem Menschen in meiner Familie verbinde. Höre ich zum Beispiel irgendetwas handwerkliches (sägen, bohren, etc.) bin ich direkt in Gedanken bei meinem Papa. Jemand, der handwerklich einfach alles kann. Schon immer. Selbst beigebracht und trotzdem immer akkurat und perfekt. Meine ruhige und gelassene Art habe ich von ihm übernommen. Noch mal genauer hinzuschauen, selbstständig zu werden und wissbegierig  zu bleiben, das sind alles Dinge, die ich von ihm gelernt habe.

Wenn Bücher ins Spiel kommen, denke ich an meine Mutter, die mir früh die Liebe zu Büchern schmackhaft machte, obwohl sie selbst selten liest. Was sie mir alles beigebracht hat, kann ich gar nicht alles aufzählen. Eine Mama steht meist mit den besten Tipps und Ratschlägen zur Seite.

Erwähnt jemand Gärten oder Pflanzen, bin ich direkt bei meinem Opa. Der kennt jedes Pflänzchen und weiß, was ihm gut tut. Manchmal brauche ich nur einen Fliederstrauch sehen oder Erde riechen und Erinnerungen ploppen auf. Mein Opa hat mich mutiger gemacht. Außerdem teilen wir die Freude an handschriftlichen Briefen und Postkarten. In meinem Erinnerungen bin ich immer mit ihm draußen im Garten. Es scheint immer die Sonne und es ist immer Sommer. Vielleicht liebe ich den Sommer deswegen so. (Wenn du das liest, Opa, dann fühle dich kräftig umarmt!)

Mein Bruder ist da ähnlich, aber spezieller auf Bäume und den Wald ausgerichtet. Geschwisterliebe kann man nur durch Geschwister erfahren. Von ihm kann ich mir manchmal, in all der Hektik, noch eine Scheibe Ruhe und Gelassenheit abschneiden. (Auch wenn mich das manchmal ganz kirre macht, wenn er dann doch irgendwelche Termine oder ähnliches vergisst.)

Geht es um Bienenstichkuchen, habe ich direkt meine Oma vor Augen.  Mein Großonkel verbinde ich mit viel Unfug, Pfefferminzbonbons und Skat. Beide haben mich in meiner Kindheit viel begleitet. Sowohl zum Spielplatz, als auch beim auf die Bäume klettern.

So ist jeder mit irgendeiner Erinnerung verknüpft. Ich habe viel von ihnen gelernt, sie haben mich aufwachsen sehen. Sie begleiten mich heute noch, worum ich sehr glücklich bin. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte sie öfter in die Arme schließen, ihre Stimmen hören, gemütlich beim Kuchen zusammensitzen oder einfach die Freude des Beisammenseins genießen.

Kennt ihr diese kleinen Trigger, die einen wieder in die Vergangenheit schauen lassen? Gibt es bei euch jemanden in der Familie, den ihr besonders herzt?

7 replies to “Eine Hommage an meine Familie

  1. Kirsch- und Pflaumen-Streuselkuchen! Da muss ich immer an meine Oma denken und einen Tag in den Sommerferien, von denen ich mal wieder eine Woche bei meinen Großeltern verbracht habe. Ich erinnere mich noch wie gestern, wie wir – ich muss damals so 8 oder 9 Jahre alt gewesen sein – auf der Terrasse saßen, ein riesengroßer Teller Kuchen auf dem Tisch und lachten und redeten und ich am Ende 7 große Küchenstücken hinuntergeschlungen hatte. Nun ja, danach war mir schlecht und das Abendbrot fiel für mich aus. Aber Sommerferien waren dort immer toll und es ist die wahrscheinlich detaillierteste Erinnerung, die ich noch an meine Oma habe.

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  2. Wenn ich an meine nun schon vor Jahren verstorbene Lieblingsoma denke, habe ich ganz viele verschiedene Episoden im Kopf, Bilder regelrecht. Sie ist und bleibt für mich der Inbegriff für menschliche Wärme, für Klugheit, Bescheidenheit, für eine unsagbare Leidensfähigkeit und doch immer wieder Weitermachen. –

    Als noch recht kleiner Junge habe ich zu dieser Oma einmal gesagt, dass ich sie gern heiraten möchte. – Das muss eine wahre Intuition gewesen sein. Als ich ein paar Jahre später ein Jugendfoto von meiner Oma zu sehen bekam, wusste ich augenblicklich: Wenn mir dieses Mädchen auf dem Bild da, heute so begegnen würde und wenn ich wüsste, dass es die Eigenschaften meiner Oma in sich trägt, dann würde es nur noch entsprechend Mut gebraucht haben: ich hätte sie wirklich sehr gern gefragt, ob sie mit mir zusammen sein mögen würde.

    Dann ist da mein Vater, der ja nun im Januar 90 geworden ist. Mein Vater ist Aufrichtigkeit, ist Belesenheit, ist Zuverlässigkeit. Mein Vater ist ein Natur- und Kulturmensch. MENSCH vor allem, genügsam, herzlich, verständnisvoll. – Die schönsten Momente sind, mit ihm vor einem geöffneten Bücherschank zu sein, wenn wir uns gegenseitig besondere Textpassagen aus Büchern (Romanen, Versen, Schwängen, Feulletons) vorlesen und darüber und nebenbei in die wunderbarsten Gespräche gleiten …

    Diese beiden, sind die wichtigsten, meiner verwandten Menschen für mich. Das werden sie immer sein. – Nun ist es nicht so, dass ich nicht auch an andere (meine Mutter, meine Uroma, meine Opas auf unterschiedliche Weise) denke, Bilder und Episoden, die zu realem Empfinden werden, verbinde, aber diese beiden, bedeuten mir halt ganz besonders viel!

    Ganz viele liebe Grüße an Dich, liebe Ines!

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